Umstrittene Diät-Kekse und Co. verschwinden aus den Regalen
Wolfenbüttel Seit Oktober dürfen Hersteller nicht mehr mit dem Etikett „Für Diabetiker geeignet“ werben. Reste dürfen aber noch verkauft werden.
Schon 2010 hatte der Bundesrat die rechtlichen Vorgaben geändert – allerdings mit einer zweijährigen Übergangsfrist. Gemeinsam mit Margret Demaré (68) und Horst Luthien (69) schauen wir in einem Supermarkt nach. Und tatsächlich werden beide Diabetiker fündig: Zwischen laktose- und glutenfreien Nudeln und anderen Lebensmitteln liegen noch wenige Tafeln Schokolade und Kekse mit dem entsprechenden Werbehinweis im Regal.
Zum einen sind sie deutlich teurer als die Pendants mit normalem Zucker. Zum anderen enthalten sie Zuckeraustauschstoffe wie Mannit oder Isomalt sowie Fructose. Gerade letztere steht im Verdacht, die Esslust zu steigern. Zudem lässt sie den Blutzucker rasch ansteigen.
Müssen Diabetiker denn auf Zucker verzichten? „Ein Ammenmärchen“, sagt Diät-Assistentin Ute-Cathrin Luthien aus dem Städtischen Klinikum. „Die Gefahr bestand eher darin, dass die gekennzeichneten Lebensmittel den Eindruck erweckten, großzügig konsumiert werden zu dürfen.“
„Dabei wurde nämlich meist übersehen, dass bei der Aufschlüsselung der Bestandteile auf der Rückseite ein kleiner Hinweis stand, dass das Ganze in den Diätplan eingepasst werden muss“, sagt Almut Suchowerskyj. Sie steht dem Landesverband Niedersachsen des Deutschen Diabetikerbundes vor.
Fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung sind nach ihren Angaben Diabetiker. Ausgehend von 122 000 Einwohnern im Landkreis wären dies bei 6 Prozent 7320 Betroffene.
Horst Luthien und Margret Demaré sind zwei von ihnen und haben auf Diabetiker-Lebensmittel äußerst selten zurückgegriffen. Beide leben mit ihrer Krankheit schon viele Jahre und wissen: „Wir können uns ernähren wie alle anderen – nur eben in Maßen. Und wir brauchen viel Bewegung.“
Dies bestätigt Ute-Cathrin Luthien. „Meine Zunft sowie auch Ärzte und Wissenschaftler empfehlen schon seit Mitte der 90er Jahre, dass auch Diabetiker ganz normale Produkte verwenden sollen. Erst recht, wenn man weiß, dass die Diabetikerprodukte vor allem fettreich waren und Patienten mit Altersdiabetes meist unter Übergewicht leiden.“ Insbesondere Zucker, der schnell ins Blut gehe – beispielsweise die kleine Portion zum Süßen des Kaffees – solle vermieden werden.
Vermehrt angeboten wird derzeit im Handel der pflanzliche Süßstoff Stevia. Allein bei dem Begriff verzieht Margret Demaré schon das Gesicht: „Obwohl ich gerne Süßes mag, aber das ist mir zu viel des Guten.“ Auch die Diätassistentin hält sich eher bedeckt: „Da gibt es Obergrenzen, die nicht überschritten werden sollten. Man muss abwarten, inwieweit sich Stevia demnächst in Fertigprodukten wiederfinden wird.“
Dass gekennzeichnete Diabetiker-Lebensmittel schon bald Geschichte sein werden, ist für Ute-Cathrin Luthien eine große Genugtuung. „Aber da wird in vielen Köpfen einfach künftig noch ein Umdenken stattfinden müssen.“
