Stadt hat Zuschlag für Hertie-Immobilie noch nicht bekommen
Wolfenbüttel Erst sah es danach aus, dann kam die Kehrtwende: Die Stadt Wolfenbüttel ist überraschend doch noch nicht im Besitz des ehemaligen Hertie-Kaufhauses.
Während der Finanzausschuss-Sitzung am Freitag erhielt Bürgermeister Thomas Pink einen Anruf des städtischen Anwalts. Dieser teilte mit, dass beim Insolvenzverwalter in Düsseldorf kurz vor Toresschluss des Bieterverfahrens noch ein weiteres, höheres Angebot für die leerstehende Hertie-Immobilie eingegangen ist.
Allerdings sei dieses Angebot nicht vollständig gewesen. Ob die Stadt deshalb den Zuschlag erhält, ob der Insolvenzverwalter dem anderen Bieter noch die Möglichkeit zur Nachbesserung seines Angebots einräumt oder ob die Stadt selbst ihr Angebot noch einmal erhöht: Das stand am Freitagabend bis Redaktionsschluss noch nicht fest.
Die dramatische Entwicklung im Zeitraffer: Die Nachricht aus Düsseldorf erreicht die Verwaltung um Punkt 15.20 Uhr: Wolfenbüttel erhält den Zuschlag für die Immobilie. Damit hat die Kommune das Heft des Handels wieder in der eigenen Hand.
Pressesprecher Olaf Danell informiert die Medien. Pink spricht im zeitgleich tagenden Ausschuss von einer „erlösenden Nachricht“. Kurze Zeit später dann ein erneuter Anruf aus Düsseldorf. Der Bürgermeister berichtet den Kommunalpolitikern: „Um 14.35 Uhr ist ein höheres Angebot eingegangen.“ Die Offerte habe jedoch keine Finanzierungsabsicherung erhalten, was eigentlich Bestandteil des Angebots sein musste. „Wir bleiben hart“, verkündet Pink.
Der Finanzausschuss berät derweil den ersten städtischen Nachtragshaushalt. Darin steht: „Die Stadtverwaltung erhält die Ermächtigung zum Eingehen von Verpflichtungen im Zuge der Vertragsverhandlungen zum Erwerb der ehemaligen Hertie-Immobilie bis zu einer Höhe von acht Millionen Euro.“ Erster Stadtrat Knut Foraita erklärt dazu: „Das ist nicht die Höhe unseres Kaufangebots.“ Die Stadt habe absichtlich nicht den wahren Betrag genannt, um nicht Wettbewerbsnachteile im Bieterverfahren zu erleiden.
Um 16.20 Uhr endet der öffentliche Teil der Finanzausschuss-Sitzung. Im nichtöffentlichen Teil wird darüber beraten, ob die Stadt eventuell ihr Kaufangebot noch einmal erhöhen soll.
Unterdessen hofft Harald Borm, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Harz und Heide, weiter auf einen Zuschlag für Wolfenbüttel. „Das würde ich sehr begrüßen, denn die Immobilie muss in Hände kommen, die etwas tun.“ Als Eigentümer hätte die Stadt direkten Einfluss auf die Mietpreise sowie auf den Besatz des Gebäudes mit Geschäften.
