Warnecke: Studie zu Krebsfällen wirft neue Fragen auf
Remlingen Das marode Atommülllager in Remlingen ist laut einer neuen Studie nicht direkte Ursache für die Krebshäufung in der Samtgemeinde Asse.
Am Donnerstag stellte Landrat Jörg Röhmann den Abschlussbericht des Expertenkreises vor. Die Menschen in Remlingen beruhigt das Ergebnis trotzdem nicht. „Der Bericht wirft viele Fragezeichen auf“, sagt Bürgermeister Klaus-Günther Warnecke im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Hauptproblem: Aufgrund fehlender Daten ist die Aussagekraft der Expertise beschränkt.
So konnte letztlich nicht zweifelsfrei geklärt werden, weshalb in der Asse vermehrt Fälle von Leukämie und Schilddrüsenkrebs auftraten. Röhmann gab gleichwohl Entwarnung. „Denn gerade die Mitarbeiter des Atommülllagers sind nicht betroffen“. Nur einer von 800 Beschäftigten sei an Leukämie erkrankt. Warnecke will nun den schriftlichen Bericht abwarten. Er meint: „Wir werden das ganz genau lesen.“
Unterdessen ist Heike Wiegel, Vorstandsmitglied im Verein Aufpassen, mit dem Krebsregister unzufrieden. Die Remlingerin sagt: „Es ist zu ungenau und zu unverbindlich.“ Viele Daten könnten nur erhoben werden, wenn Erkrankte diese freiwillig zur Verfügung stellten. Dabei deute gerade Leukämie doch auf eine Strahlenbelastung hin. Wiegel erwartet nun, dass der Staat mehr Ursachenforschung betreibt und hierzu die Initiative ergreift.
Über die Asse und die Gefahren, die von den eingelagerten Fässern ausgehen, wird auch an den Remlinger Schulen intensiv diskutiert. Jungen Menschen sind verunsichert. „Wir sprechen mit den Kindern ab Klasse 3 darüber“, berichtet Lars Eberst, Leiter der Grundschule. „Wir sagen ihnen, dass der Atommüll gefährlich ist und Krankheiten verursachen kann.“ Für das Thema Krebs seien Grundschüler jedoch noch zu jung.
Überhaupt wird in dem Ort darüber nicht mehr ganz so oft gesprochen. „Es gab eine Zeit vor zwei, drei Jahren, da waren wir jeden Tag in den Medien“, erinnert sich Warnecke. Gegenwärtig interessierten sich die Bürger eher für die Dinge im Zusammenhang mit dem geplanten Schacht sowie dem Puffer- und Konditionierungslager. Eberst bestätigt das. „Eltern haben Angst, dass es auf dem Feld gegenüber unserer Schule entstehen könnte.“
Einen Fall von Leukämie kennt unterdessen Siegbert Pfeiffer, einst Samtgemeindebürgermeister der Asse. „Der Patensohn meiner Frau war erkrankt, ist inzwischen aber zum Glück wieder gesund.“ Über die Ursache sei damals viel spekuliert worden. „Eine direkte Verbindung zur Asse haben wir aber nicht hergestellt.“
Pfeiffer hat mehr als 15 Jahre in dem Bergwerk gearbeitet. Dem geplanten Herausholen des Atommülls steht er eher skeptisch gegenüber – eine Meinung, die in Remlingen nicht populär ist. Pfeiffer befürchtet, dass gerade das Bergen der Fässer gefährlich werden könnte. Er fordert: „Nicht Politiker sollten das entscheiden, sondern Fachleute.“ Auch wenn diese in der Vergangenheit bei der Asse Fehler begangen hätten.
