Pflegebedarf ist deutlich gestiegen
Wolfenbüttel Etwa zehn Prozent aller Patienten des Städtischen Klinikums kommen in Berührung mit Kerstin Scheithauer und ihren drei Kolleginnen – Tendenz steigend.
Die 45-Jährige leitet die Abteilung Entlassmanagement und Sozialberatung. Das heißt: Patienten, die nach dem Krankenhausaufenthalt plötzlich gepflegt werden müssen oder anderer Unterstützung bedürfen, finden hier Hilfe. „Wir organisieren Pflege, kümmern uns um die Aufnahme in ein Hospiz, beantragen die Pflegeeil-Einstufung, kümmern uns um Patienten mit Suchtproblematik und organisieren die Anschlussheilbehandlung, sprich Reha-Maßnahmen, und vieles mehr.“
Mit der Nachfrage nach Pflege sei in den vergangenen Jahren auch das Anspruchsdenken deutlich gestiegen. „Die meisten glauben, dass jeder Patient, der aus dem Krankenhaus kommt und Pflege benötigt, auch automatisch eine Pflegestufe bekommt.“
Dem sei aber nur so, wenn die Pflegebedürftigkeit für mindestens sechs Monate vorhersehbar sei, erklärt Kerstin Scheithauer. Ein gebrochener Arm beispielsweise sei nicht automatisch mit anschließender Pflege verbunden – „und sei der Patient noch so alt“.
Entscheiden muss dies aber nicht die Fachkraft für Pflegeüberleitung und Fallmanagement, wie die genaue Berufsbezeichnung der 45-Jährigen lautet, sondern die Kostenträger. Mit diesen arbeitet die Abteilung eng zusammen.
Dies gelte auch für Reha-Maßnahmen. „Die meisten unserer Patienten wollen nach einer Knie- oder Hüft-Operation nach Bad Harzburg. Aber auch das ist nicht unsere Entscheidung.“
Im Durchschnitt kümmern sich Kerstin Scheithauer und ihre Kollegen monatlich um 200 Patienten. Etwa 60 von ihnen nähmen eine Reha-Maßnahme in Anspruch, rund 50 wechselten in eine stationäre Pflegeeinrichtung und zirka 80 benötigten fortan Hilfe bei der Pflege zu Hause. „Unsere Abteilung ist 2006 entstanden, weil die Verweildauer der Patienten im Klinikum immer kürzer wurde“, erinnert sich die Wolfenbüttelerin.
Aktuell liege der Wert bei 6,17 Tagen. Auffallend sei auch, dass es vor allem älteren Patienten früher nicht schnell genug gegangen sei, wieder nach Hause zu kommen. „Inzwischen fragen die meisten, wie lange sie noch bleiben dürfen.“
Auch Angehörige seien häufig überrascht über die kurze Aufenthaltsdauer: „Sie unterscheiden oftmals nicht zwischen den medizinischen und den pflegerischen Aspekten.“
Seit Januar dieses Jahres ist ein Entlassmanagement für Kliniken gesetzlich vorgeschrieben. Das Städtische Klinikum, so Kerstin Scheithauer, habe da früh den Bedarf erkannt und vorausschauend gehandelt.


