Lichter für die Sternenkinder angezündet
Wolfenbüttel Levin-Louis Cyris wäre heute neun Jahre alt. Doch der kleine Junge lebte nur zweieinhalb Wochen.
Er ist eins der so genannten Sternenkinder, denen am Samstag bei einer Gedenkfeier auf dem Friedhof an der Lindener Straße gedacht wurde. Seit 2007 lädt das Städtische Klinikum zu dieser Veranstaltung am zweiten Dezemberwochenende ein. Knapp zehn Eltern kamen in diesem Jahr, um gemeinsam um ihre toten Kinder zu trauern. „Wir sehen dies als offiziellen Termin für unseren Sohn“, erklärten Nadine und Artur Cyris ihren Beweggrund, jedes Jahr an dieser Feier teilzunehmen.
Der Verlust eines Kindes, so Krankenhausseelsorger Volkmar Schmuck im Gespräch mit unserer Zeitung, begleite Eltern ein Leben lang – egal, ob dies aufgrund von Krankheit passiert, durch Tot- oder Fehlgeburt oder weil ein Kind abgetrieben wurde“.
Im Durchschnitt werden im Klinikum pro Jahr etwa 5 von 600 Kindern tot geboren, wie die Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums, Dr. Edeltraud Mateescu, auf Nachfrage deutlich machte. Sie sprach den Eltern Trost zu und sagte: „Uns alle lässt es nicht unberührt, wenn ein Kind nicht leben darf.“
Gemeinsam machten sich schließlich alle mit Kerzen von der Martinskapelle aus auf zu den Kindergräbern und einer Stele, die 1996 im Gedenken an tot geborene Kinder aufgestellt wurde. Begleitend spielte der Posaunenchor Wolfenbüttel.
Dass dieser Termin immer am zweiten Wochenende im Dezember wahrgenommen wird, hat zwei Gründe. Zum einen ist es dem so genannten Candle Lighting (Kerzenleuchten) geschuldet, einem Tag, an dem verwaiste Eltern in allen Zeitzonen dieser Welt am Sonntag, 19 Uhr, eine Kerze anzünden sollen. „Und er gehört in den Advent, weil dies in besonderer Weise eine Zeit der Kinder ist, in der diese auch explizit vermisst werden“, so Schmuck.
So geht es auch der Familie Cyris. Inzwischen hat das Paar zwei gesunde Töchter, doch die Spuren von Levin-Louis werden für die Familie immer präsent sein. Und wer weiß schon, ob das Lebenslicht des kleinen Jungen nicht als Stern weiterleuchtet. „Eine tröstliche Vorstellung“, wie Schmuck sagte.


