Ein katholischer Priester feiert Weihnachten – mit Familie
Wolfenbüttel Ivan Mykhailiuk ist römisch-orthodox. Sein Glaube erlaubt ihm, mit einer eigenen Familie als katholischer Priester in Wolfenbüttel zu leben.
An Weihnachten hat Ivan Mykhailiuk immer viel zu tun. Zweifellos liegt das an seinem Beruf: Der 44-Jährige ist katholischer Priester. Drei Gottesdienste wird er diesmal leiten. Und trotzdem bleibt ihm Zeit für seine Familie.
Familie? In der Tat! Mykhailiuk ist verheiratet und hat zwei Kinder. Aber leben katholische Geistliche nicht streng zölibatär? Ja, versichert Pfarrer Matthias Eggers von der Pfarrei St. Petrus. „Wir haben hier eine Sondersituation.“
In der Ukraine, aus der Mykhailiuk stammt, sei der orthodoxe Glaube sehr verbreitet. Dieser lasse die Ehe zu. Im Bistum Hildesheim sei der Priester als nächster Seelsorger für seine Landleute vorgesehen. Bis die Stelle frei werde, helfe er in Wolfenbüttel über einen personellen Engpass hinweg.
Seit 2009 ist Mykhailiuk nun an St. Ansgar. Er wohnt mit seiner Frau Natalia (34) und den Kindern Josef (8) und Danylo (6) direkt an der Kirche. Die Familie, so sagt er, helfe ihm dabei, Kraft zu tanken. „Wenn ich nach Hause komme, erwarten mich Liebe und Wärme.“
„Wir sind orthodox, aber mit Rom verbunden“, erläutert Mykhailiuk. Im Wohnzimmer nimmt er Platz an der Kaffeetafel. Alles ist hübsch dekoriert. Natalia Mykhailiuk hat leckeres Gebäck selbstgemacht. Die Kinder spielen mit Geschenken, die sie zum Nikolaus bekommen haben – darunter ein kleiner Hubschrauber.
Die Mykhailiuks wandeln sicher zwischen den Welten und Traditionen. Sie feiern Nikolaus am 6. und am 19. Dezember. Auch Weihnachten steht zweimal an: in den nächsten Tagen sowie am 7. Januar in der Ukraine. Die Frau des Priesters sagt: „Zu Weihnachten gibt es bei uns aber keine Geschenke.“
Das eigentliche Geschenk sei ja ohnehin etwas anderes: „Gott ist Mensch geworden“, meint Ivan Mykhailiuk. „Und er kam zu uns als Kind. Das ist die Botschaft von Weihnachten: Wir sollen menschlich sein und bleiben.“
Auf das Fest freuen sich unterdessen auch Josef und Danylo. Beide spielen in St. Ansgar im Krippenspiel mit, der eine – natürlich – als Josef, der andere als Hirte. Danylo gibt schon einmal eine kleine Kostprobe ab: „Ich muss sagen: ‚Ich friere wie schon lange nicht mehr...‘“ Seine Eltern lächeln stolz.
Ivan Mykhailiuk ist studierter Theologe. Er kam 1996 nach Deutschland, lernte die Sprache und wohnte zunächst in Frankfurt am Main bei Jesuiten. „Ich habe mein Fachabitur nachgemacht, weil mein ukrainisches Studium hier nicht anerkannt wurde.“ Im neunten Semester schließlich heiratete er – mit Zustimmung des Hildesheimer Bischofs, wie er betont.
In Wolfenbüttel fühlt sich die Familie sehr gut angenommen. Auch wenn nicht alle sofort von einem Priester gesegnet werden wollten, der einen Ehering trägt. Aus Respekt vor solchen Gefühlen reagierte Mykhailiuk pragmatisch: „Ich habe den Ring dann abgenommen und an meiner linken Hand aufgesteckt.“ Pfarrer Eggers meint: „Die Gemeinde geht auffallend positiv mit der Situation um.“
Natalia Mykhailiuk hat in der Ukraine Musik und Pädagogik studiert. Heute arbeitet sie als Aushilfe im Kindergarten, spielt in einer Band mit, singt viel und schmeißt den Haushalt. „Meine Frau hat eine wunderbare Stimme“, schwärmt ihr Mann. Zu Weihnachten werde sie traditionell Fisch zubereiten. „Ich mag, Zeit für die Familie zu haben.“

