„Die Gemeinde muss ganz still sein“
Wolfenbüttel Almuth Bretschneider, Kantorin in der Propstei Wolfenbüttel, freut sich auf die Gottesdienste am Weihnachtsfest.
Zuständig für die Musik, ist die 53-Jährige Weihnachten ganz in ihrem Element. „Das Schönste ist für mich das Weihnachtsoratorium“, schwärmt sie. Dann musizieren wir alle gemeinsam.
Alle – das sind die Solisten, der Chor, das Orchester und natürlich Almuth Bretschneider an der Großen Orgel in der Wolfenbütteler Hauptkirche Beatae Mariae Virginis (BMV). Aufgeführt wird das Weihnachtsoratorium am Mittwoch, 26. Dezember, 17 Uhr. Es empfiehlt sich, früh zu kommen, denn erfahrungsgemäß wird es in der Kirche sehr voll werden.
Die Kantorin freut sich aber auch auf Heiligabend. „Da improvisiere ich“, sagt sie und lächelt. Das bedeutet, dass sie an der Orgel aus der Stimmung heraus etwas spielt, das sie genau in diesem Moment kreiert hat. „Das ist keine aufgeschriebene Komposition, sondern ich spiele einfach los“, erzählt die gebürtige Hamburgerin.
Heiligabend singen in der BMV um 15 Uhr die Kinder des Krippenspiels zwei moderne und ein traditionelles Weihnachtslied. „Sie singen ganz ohne Verstärkung. Das ist ein Experiment. Die Gemeinde muss ganz still sein, sonst hört sie die Kinderstimmen nicht“, gibt die Kantorin eine kleine Regieanweisung.
Um 17 Uhr werden in der BMV Posaunen erklingen. Der Posaunenchor Wolfenbüttel spielt traditionelle Lieder wie „Oh du fröhliche“ und „Stille Nacht“. „Es ist wichtig, dass sich die Gemeinde in diesem Gottesdienst zu Hause fühlt. Da wird es keinen Stress mit neuen Liedern geben. Entspannung ist angesagt“, meint Almuth Bretschneider.
Musikalisch geprägt ist der Gottesdienst um 23 Uhr in der Hauptkirche. Dann musizieren Mitglieder der Kantorei und des Flötenkreises St. Marien. Ruhig und besinnlich soll es zugehen und stimmungsvoll mit vielen Lichtern. „Gottesdienstbesucher sollen noch einmal richtig ausatmen können von diesem Tag“, sagt Almuth Bretschneider.
In allen Gottesdiensten der BMV erklingt die Große Orgel. Und beim dritten Vers von „Oh du fröhliche“ erklingen die Zimbelsterne an der Großen Orgel. Gottesdienstbesucher können sie hören. Sehen können sie sie nur, wenn sie sich zur Orgel umschauen.
Stress hat die Kantorin in der Weihnachtszeit nur, wenn sie einen Anruf von einer Gemeinde erhält, die noch keinen Organisten für Heiligabend hat.
Dann muss sich Almuth Bretschneider auf die Suche machen. „Es gibt zwar eine Vertretungsliste, aber die nebenamtlichen Kräfte sind meist ausgebucht. Wir haben starken Nachwuchsmangel an Organisten“, weiß die Kantorin.
Sie selbst absolvierte ein Kirchenmusikstudium, legte die Kirchenmusik-A-Prüfung ab (das ist der höchste Abschluss) und machte ihr Orgelkonzertexamen.
Almuth Bretschneider ist verheiratet – natürlich mit einem Kirchenmusiker – und hat eine Tochter, die in ihrer Freizeit musiziert. Sie liebt Hörbücher. Ihren Ausgleich sucht sie in der Stille. Das ist die freie Natur mit viel Bewegung an der frischen Luft.
