Der Weg ist das Ziel – Gerade beim Pilgern
Wolfenbüttel Spätestens seit Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ ist Pilgern fast zum Volkssport geworden. Nun beschäftigt sich auch das Theater mit dem Thema.
Das rheinische Landestheater Neuss brachte in der Wolfenbütteler Lindenhalle vor begeistertem Publikum mit „Auszeit –Ein musikalischer Seelenritt“ einen Liederabend auf die Bühne, der sich gehaltvoll mit der Thematik beschäftigte. Dabei schickte das Autorenteam Walter Kiesbauer und Kai Wolters sieben junge Darsteller ins Geschehen, das in Wolfenbüttel auf ganzer Linie überzeugte.
Begleitet wurden sie von Jakob, einer metaphysischen Figur. Sie ist das personifizierte Gewissen, legt Schwächen und Eitelkeiten offen.
Ergänzt wurde die wandernde Truppe von einer fünfköpfigen Live-Band, die die Protagonisten auf dem Pilgerweg begleiteten.
Dabei genügte ein raffiniertes Bühnenbild mit Spiegeleffekten, um die Geschichte lebendig auf die Bühne zu bringen.
Angetrieben von der Lust am Abenteuer und der Sehnsucht nach Veränderung begegnen sich auf dem Pilgerpfad Menschen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten. Unterschiedliche Beweggründe und Erwartungshaltungen prallen aufeinander. Lange Märsche, schwere Rucksäcke zehren an den Nerven.
Doch was verbirgt sich hinter der Suche nach Erkenntnis? Die sieben Pilger erleben auf dem Weg zu ihrem Ich Haarsträubendes, Erheiterndes, aber auch Trostloses. Glücksgefühle und völlige Erschöpfung gehen in der perfekten Inszenierung miteinander einher.
In dem zweistündigen Theaterstück „Auszeit“ trägt vor allem die Kraft der Musik dazu bei, die verschieden gelagerten Gefühls-, Körper- und Seelenzustände der Wanderer pointiert zum Ausdruck zu bringen. Die Autoren schöpften aus einem reichhaltigen Vorrat von mehr und weniger bekanntem Liedgut, neu arrangiert und bearbeitet.
Die Protagonisten erhielten reichlich Gelegenheit, außer ihrem schauspielerischen Können auch ihren Gesang unter Beweis zu stellen mit Titeln aus dem Fundus der Pet Shop Boys (Go West), Xavier Naidoo (Dieser Weg), Rap-Songs der Fantastischen Vier und Tim Bendzkos „Nur noch schnell die Welt retten“. Evergreens von Nancy Sinatra (These Boots are made for walking) bis hin zum berühmten Wagnerschen Pilgerchor aus der Oper „Tannhäuser“ komplettierten die musikalische Reise.
Der Weg ist lang und die Frage ist: Schaffen sie den Weg, oder schafft er sie? Fazit einer gelungenen Inszenierung: Der Weg ist das Ziel.


