Als ob der Hammer gerade erst gefallen ist
Abbenrode Wer die Schmiede von Otto Arnemann betritt, unternimmt eine Zeitreise in die Vergangenheit.
Knapp 25 Jahre ist es her, dass hier das letzte Mal am Amboss gearbeitet wurde – auch wenn der Betrachter das Gefühl bekommt, dass Arnemann hier gerade erst den Hammer hat fallen lassen. Der 89-Jährige hatte die Abbenroder Schmiede in dritter Generation fortgeführt. Gegründet wurde sie, so erzählt er stolz, 1901 von seinem Großvater Fritz Beddig. Im Esszimmer des Hauses verweist Arnemann stolz auf die drei Meisterbriefe: Fritz Beddig 1890, Vater Otto Arnemann 1920 und er selbst 1950. „Handwerksmäßig hat sich in Abbenrode ja alles dolle verändert.“ Viel sei nicht geblieben, aber das Dorf sei dennoch schön, urteilt er.
Arnemann wurde 1923 im Haus am Weingarten geboren. Nur im Krieg hat er das Dorf für sechs Jahre verlassen. Seine übrige Lebenszeit hat er hier verbracht – hat die Schmiede betrieben und landwirtschaftlichen Nebenerwerb auf 10 bis 15 Morgen Ackerland. „Wir hatten sogar Kühe“, erinnert sich seine Schwester Gisela Rolke. Seit Jahrzehnten lebt sie mit ihrem Bruder zusammen, führt den Haushalt.
Wenn beide aus alten Zeiten berichten, geraten sie ins Schwärmen. Wasserleitungen und Gummiwagen habe er gebaut und repariert, Pferde beschlagen und sogar Kühe, die früher noch Pflüge gezogen hätten. „Für gute Bekannte schärfe ich heute noch das eine oder andere Gartengerät.“
Ohnehin gehört die Schmiede am Haus noch immer zum Alltag Arnemanns. „Er schließt sie jeden Morgen auf und abends wieder ab“, erzählt Gisela Rolke. Wenn Besucher kämen, würden auch die durch den Raum mit altem Werkzeug, Hufeisen und sogar noch Asche auf dem Ofen geführt. Fünf Lehrlinge hat Arnemann im Laufe der Jahre ausgebildet. „Zu allen hab’ ich heute noch Kontakt.“
Was aus diesem Kleinod der Vergangenheit einmal werden soll, wissen die Geschwister nicht. So wirklich mögen sie darüber auch nicht nachdenken.
Immerhin stecken in diesen vier Wänden nicht nur unzählige Erinnerungen, sondern ein Großteil ihres Lebens.



