Asse – Keine Hinweise auf erhöhtes Krebsrisiko
Debatte des Tages Vom Atomendlager Asse geht einer Studie zufolge kein erhöhtes Krebsrisiko aus. Dies sagte Wolfenbüttels Landrat Jörg Röhmann (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung der Expertise.
In der Samtgemeinde Asse im Kreis Wolfenbüttel gibt es eine ungewöhnliche Häufung von Leukämie und Schilddrüsenkrebs. Doch auch nach einer zweijährigen Untersuchung bleibt es unklar, ob es dafür eine identifizierbare Ursache mit Bezug zum Wohnort oder zur Arbeitsstätte gibt. Zu diesem Ergebnis kommt der Expertenkreis Asse, der sich seit Ende 2010 mit dem Problem befasst hat.
„Es ist enttäuschend, dass wir nicht weitergekommen sind, aber die Datengrundlage war einfach zu klein“, sagte der Wolfenbütteler Landrat Jörg Röhmann gestern bei der Vorstellung des Abschlussberichts. Dennoch zog er ein positives Fazit: „Der Bericht ist auch entlastend. Für die Menschen in der Samtgemeinde Asse können wir Entwarnung geben. Es gibt keinen eindeutigen Hinweis auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch das Atommülllager.“ Zu diesem Schluss kommt er, weil die Untersuchung zweigeteilt war. Ausgangspunkt waren die vor zwei Jahren veröffentlichten Zahlen des Niedersächsischen Krebsregisters. Demnach gab es in der Samtgemeinde Asse zwischen 2002 und 2009 insgesamt 47 Neuerkrankungen bei Leukämie, Lymphom-Erkrankungen und Schilddrüsenkrebs – nach dem statistischen Mittel waren aber nur 27 Fälle zu erwarten.
Anhand der anonymisierten Daten im Krebsregister konnten jedoch keine Rückschlüsse auf mögliche Ursachen gezogen werden. Deshalb nahm vor zwei Jahren ein Expertenkreis seine Arbeit auf. Alle an Krebs erkrankten Menschen im Landkreis wurden gebeten, an einer Befragung teilzunehmen. Insgesamt haben sich Röhmann zufolge 152 Menschen mit verschiedenen Krebserkrankungen gemeldet; darunter waren nur 14 Betroffene aus der Samtgemeinde Asse mit Leukämie, Lymphom-Erkrankungen oder Schilddrüsenkrebs.
„Damit konnten wir also bei weitem nicht allen Fällen nachgehen, die im Krebsregister erfasst sind“, sagte er. „Die Aussagekraft der Befragung ist daher stark eingeschränkt. Wir können die Ursache für die Häufung der Krebserkrankungen nicht erklären.“
Im zweiten Teil der Untersuchung wurde aber auch ein Abgleich der im Krebsregister erfassten Fälle in der Samtgemeinde Asse mit den 800 Beschäftigten vorgenommen, die zwischen 1967 und 2008 in der Schachtanlage gearbeitet haben. Das Resultat: „Nur einer der 47 Erkrankten war in der Schachtanlage beschäftigt“, erklärte Röhmann. „Wir können also ganz klar sagen, dass es keinen Zusammenhang zwischen der erhöhten Häufigkeit der Krebsfälle und einer Beschäftigung in der Asse gibt.“
Kritik an der Untersuchung kam gestern unter anderem von den Grünen und der Linksfraktion im Landtag. Die Politiker sehen aufgrund der dürftigen Datengrundlage keinen Grund zur Entwarnung.



