15-Jähriger rettete seine Mitschülerin
Wolfenbüttel Um Leben und Tod ging es am 4. Oktober in Sickte im Kreis Wolfenbüttel. Eine 14-jährige war in der Sporthalle zusammengebrochen. Ein Mitschüler rettete sie.
In der Haupt- und Realschule Sickte kam es zu dem Notfall. Lena, eine 14-jährige Realschülerin, war beim Sportunterricht zusammengebrochen. Sie atmete nicht mehr. Marius Timmler reanimierte Lena gemeinsam mit Sportlehrer Matthias Petzold und der Leiterin des Schulsanitätsdienstes, Cora Kruse, zehn Minuten lang. Dann trafen Notarzt und Rettungssanitäter ein.
„An Details kann ich mich gar nicht mehr erinnern“, sagt der 15-Jährige. Durch den Stress sei er wohl unter Schock gestanden.
Ein paar Einzelheiten sind trotzdem haften geblieben. „Wir haben uns am Anfang der Stunde eingelaufen. Da habe ich gesehen, wie sie auf einmal am Boden lag. Ich bin hingelaufen. Dann weiß ich nichts mehr“, erzählt er. Nach der Rettungsaktion sei er aus der Halle gelaufen. Die Konrektorin der Schule habe ihn betreut. „Dann wurde ich nach Hause gefahren.“
Details der Rettungsaktion berichtet Schulleiter Rainer Tacke am Freitag während einer Feierstunde zu Ehren der drei Helfer. „Es gab eine Durchsage, Frau Kruse wurde in die Turnhalle gerufen. Durch die Dringlichkeit war mir klar, dass es sich um einen besonderen Notfall handelt.“
Als er in die Sporthalle gekommen sei, habe er gesehen, dass Lena bewusstlos am Boden lag und reanimiert wurde. „Minuten vergingen. Es war kein Fortschritt erkennbar. Aber Marius hatte die Rettungsaktion immer weiter fortgesetzt, bis der Notarzt eintraf“, sagt Tacke. Lena konnte gerettet und schließlich ins Krankenhaus transportiert werden.
Der Schulleiter hebt die Verantwortung hervor, die Marius übernommen habe. „Du hast nicht kapituliert und bewiesen, dass du schon eine starke Persönlichkeit hast“, sagt er.
Tacke lobt den Sanitätsdienst und die Schulgemeinschaft, die sich bewährt habe. Er betont, wie anstrengend die Tage nach dem Unglück waren. Die Schüler der 8 b hätten betreut werden müssen. „Es gab eine tiefe Betroffenheit. Aber heute ist Lena unversehrt unter uns.“
Landrat Jörg Röhmann betont die Kompetenz des 15-Jährigen: „Es reicht nicht, etwas zu wollen, man muss auch lernen, es zu tun.“
Die Vizepräsidentin des Malteser-Hilfsdienstes in Deutschland, Vinciane Gräfin von Westphalen, überreicht den drei Ersthelfern schließlich Ehrenplaketten und Urkunden. Mut, Energie und Zivilcourage seien notwendig gewesen für die Rettung der Schülerin: „Es braucht die Kraft des Herzens.“
Harald Klene vom Braunschweigischen Gemeinde-Unfall-Versicherungsverband überreicht dem Schulsanitätsdienst eine Spende von 400 Euro.
Für Musik während der Feierstunde in der Aula sorgt die Band der Sickter Haupt- und Realschule.

