Wenn Felsen erzählen könnten
Salzgitter Arbeitskreis Thiede enthüllt am Samstag, 15. Dezember, einen Gedenkstein für die Pascheburg
Ursprünglich waren es einmal fünf große Findlinge. Geblieben sind vier. Sie stehen heute am Eingang des Thieder Friedhofes und dienen bis auf einen als Gedenksteine für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Vor vielen, vielen Jahrhunderten lagen die Felsriesen allerdings noch an anderer Stelle – etwas nördlicher, an einem idyllischen Platz in den Riedeauen.
„Sie gehörten zur Pascheburg, der Keimzelle des heutigen Thiede“, hat Ortsheimatpfleger Hartmut Alder bei intensiven Archivstudien herausbekommen. Die Pascheburg sei keine Burg im herkömmlichen Sinn gewesen, sondern eine vorchristliche Kultstätte. Alder: „Die Germanen stimmten dort mit Tieropfern, die sie auf den Steinen ablegten, ihre Götter gnädig.“ Unter Karl dem Großen seien viele dieser „heidnischen“ Stätten geschleift worden, berichtet der Ortsheimatpfleger. In Thiede seien Mönche aus den Klöstern der Umgebung jedoch noch bis zur Reformationszeit zur Pascheburg gepilgert.
Die Kultstätte hatte später eine runde Verschanzung und einen Steinturm erhalten. Das Rittergut entstand und nach und nach siedelten sich immer mehr Bauern an. Thiede wuchs heran.
Irgendwann hatten die großen Steine der Pascheburg aber ihre mystische Faszination verloren. Als Wegweiser fristeten sie in der Folge an der großen Dorfkreuzung (Wolfenbütteler/Frankfurter Straße) ihr Dasein. Einen der dickeren Brocken sollte der Landwirt Kassel Anfang des 19. Jahrhunderts zum Friedhof bewegen. „Der Pferdewagen brach unter der Last zusammen und die Gemeinde weigerte sich, den Schaden zu bezahlen“, weiß Alder. Schließlich seien Pferde vor den tonnenschweren Stein gespannt worden und hätten ihn mit Ketten durchs Dorf zu seinem neuen Standort gezogen.
An die Pascheburg, diesen geschichtsträchtigen Ort, erinnert heute nichts mehr. Das soll sich nach dem Willen des Arbeitskreises Thiede ändern. Am Samstag, 15. Dezember, um 11 Uhr wird er auf der Wiese hinter dem Pennymarkt am Panscheberg, also an historischer Stelle, einen von der Thieder Gartenbaufirma Ulrich gespendeten Gedenkstein enthüllen.
