Zimmerei erhielt Bundespreis für Denkmalpflege
Baddeckenstedt Zimmerleute der Firma Schaab fügten traditionell alte und neuere Eichenbalken ganz ohne Metall mit Holzbauteilen zusammen.
So mancher Gratulant stellte die Frage: „Was machen Sie denn mit dem Preisgeld?“ Ingenieur Peter Schaab möchte in solchen Momenten ein Tonband drücken und auf einer Endlosschleife mitteilen, dass die 3000 Euro Preisgeld komplett an den Bauherren gingen. Seiner Firma bleibt indes die Ehre, den dritten Preis beim Bundeswettbewerb für Handwerk in der Denkmalpflege errungen zu haben.
Bauherr Hinrich Gottschalk spendierte zum Abschluss allen Zimmerleuten, Heizungsbauern und Fliesenlegern ein leckeres Büffet und einen kräftigen Umtrunk. „Auch unserem Gastgeber war am nächsten Vormittag der fehlende Schlaf noch anzusehen“, erinnert sich Zimmermann Roland Müller mit einem Schmunzeln ans Ende der gut fünf Arbeitswochen nahe Bückeburg.
Müller sowie seine Kollegen Jürgen Reddig und Daniel Kutz haben dort unter anderem Ständer und Schwellhölzer oberhalb des Fundaments mit Holzverbindungen verzapft. Dadurch wurde auf Nägel, Schrauben und Metallverbinder verzichtet. Das Auftragsvolumen lag bei rund 35 000 Euro.
„Wir haben uns über die Verleihung des Preises sehr gefreut. Diese Arbeit erfordert viel Liebe zum Detail“, versichert Schaab, dessen Firma für solche Aufgaben Eichenbalken aus Abrissen aufhebt. „Wir machen aber auch moderne Gewerbebauten“, schlägt Firmenmitinhaber Martin Ziaja die Werbetrommel.
Ausgezeichnet wurden Bauherr und Handwerker dafür, dass sie das nie genutzte Altenteil des Gottschalk-Hofes aus dem Jahre 1848, der Altbauer war vor seinem geplanten Umzug gestorben, behutsam vor dem Verfall retteten und in Ferienwohnungen sowie ein Hochzeitszimmer nebst Feierraum wandelten.
Die Jury aus Architekten und Denkmalpflegern lobte, dem Bauherrn Hinrich Gottschalk und seinen Architekten Volker Wehmeyer aus Bückeburg sei es gelungen, den historischen Charakter der Hofanlage für die nächsten Generationen zu erhalten. Gemeinsam mit seinen Chefs, Peter Schaab und Martin Ziaja, nahm Zimmermann Daniel Kutz die Urkunde für die von ihm und seinen Kollegen geleistete Arbeit im Sparkassen-Hauptgebäude Hannover entgegen.
Der mit insgesamt 15 000 Euro dotierte Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks verliehen.
Im Jahr 2012 wurde der Preis in Niedersachsen und im Saarland vergeben. Für 2013 sind die Bundesländer Sachsen und Schleswig-Holstein vorgesehen. Bewerben können sich private Bauherren, die in den vergangenen fünf Jahren denkmalgeschützte Objekte von Handwerksbetrieben restaurieren ließen.
Den ersten Bundespreis in Niedersachsen teilten sich die Villa Seligmann in Hannover und das Gut Schnellenberg bei Lüneburg. Ebenfalls geteilt wurde der dritte Preis zwischen dem Altenteil des Gottschalk-Hofes in Helpsen bei Bückeburg und einem Artländer Hof in Badbergen bei Quakenbrück.
