Wie Ochse und Esel an Jesus’ Krippe kamen
Baddeckenstedt Erklärungsversuche auf dem Archehof in Steinlah und Seelsorgern: Die Darstellung des Stalls in Bethlehem taucht in der heiligen Schrift nicht auf.
Bevor es Heiligabend zum Gottesdienst geht und anschließend die große Bescherung gibt, werden auf den Höfen in der Samtgemeinde Baddeckenstedt zunächst einmal die Tiere versorgt. So auch im Archedorf Steinlah, wo gleich vier Familien aktive Mitglieder der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) sind.
Deren Abbilder, die das Jesuskind huldigen, finden sich in vielen deutschen Weihnachtskrippen, manchmal auch in den Krippenspielen in den Kirchen wieder. Wie aber sind Ochs‘ und Esel in die Weihnachtsgeschichte gekommen? Ist doch in der Bibel im Lukas-Evangelium nur von einem Stall, aber nicht von Vieh die Rede.
Doch schon im Alten Testament gibt es nach Auffassung des Gustedter Pfarrers Jürgen Grote Andeutungen auf die Anwesenheit der Tiere bei der prophezeiten Geburt des Heilands. Bei Jesaja 1,3 steht geschrieben: „Der Ochs kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.“ Ochse und Esel werden also als jene dargestellt, die Gott kennen und nicht vergessen haben.
Bei Gustav Reupke steht das Harzer Rotvieh im Stall des Archedorfs, dass auf der Sommerweide in Wolfshagen schon Touristen anlockt. Ein massiger Bulle ist temperamentvoller Mittelpunkt der Herde. Ein seiner Männlichkeit beraubter Ochse arbeitet dagegen ruhiger und mit Ausdauer, sei aber nach Meinung des Fachmanns mitunter nicht immer einfach zu leiten. „Mein Großvater musste im Zweiten Weltkrieg mit Simmentaler Ochsen arbeiten, das war für ihn doch oft schwierig“, so der Steinlaher Hans-Jürgen Hesse.
Der Esel sei ein Tier des Friedens. „Beim Einzug in Jerusalem ritt Jesus als Friedensfürst auch auf einem Esel und nicht auf einem stolzen Ross“, erzählt Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff aus Westerlinde.
Nicht die Tiere der Stolzen und Mächtigen, wie Pferde und Dromedare, sondern die Tiere der einfachen Leute durften bei der Geburt des Heilands dabei sein. Einen Esel an der Krippe kann sich Hesse schon deshalb vorstellen, weil die Hirten oft Lastesel besaßen.
Schließlich mussten sie wie bei Lukas beschrieben oft im Freien bei den Schafen übernachten, um die Herde vor Wölfen zu schützen.
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