Thiedes Bürgerwald gewinnt Kontur
Salzgitter Kinder, Jugendliche und Erwachsene pflanzten am Ellernweg 2000 Stiel- und Traubeneichen – SZ löste ihre Wettschulden ein
Zwei Grad plus. Der Himmel in Novembergrau. Die Nasen triefen und trotzdem ist hier niemandem kalt. Fröhliches Wuseln herrscht auf dem ehemaligen Rübenacker am Ellernweg. Hier entsteht der Bürgerwald Thiede.
Die Realschüler sind schon weg, die Kinder aus der Zwergenkuhle ebenfalls. Die Gruppen vom benachbarten Kindergarten St. Georg ziehen gerade müde, aber glücklich von dannen. „Den nehme ich mir zur Erinnerung mit“, ruft ein Mädchen und winkt mit einem dürren Ast. Ein Junge hütet eine Rübe wie einen Schatz. „Ja, Rüben und Regenwürmer waren für die Kleinen die heimlichen Sensationen des Vormittags“, berichtet Annemarie Krause vom Förderverein Bürgerwald.
Sie ist schon seit dem frühen Morgen vor Ort und freut sich wie auch Vereinsvorsitzender Wilhelm Schmidt über die tatkräftige Unterstützung durch die Niedersächsischen Landesforsten. Forstwirtmeister Friedrich Steinborn ist mit fünf Auszubildenden angereist. Sie lernen hier hautnah eines ihrer Fachgebiete kennen– die Umweltbildung.
Jeweils 25 Jung-Eichen sollen einmal einen Miniwald bilden wie die Natur ihn schaffen würde, berichtet Franz Hüsing, stellvertretender Vereinsvorsitzender und Chef der Stiftung Zukunft Wald. Holzpflöcke markieren die Standorte. Am Ende des Tages werden 2000 Stiel- und Traubeneichen in der klebrigen, schwarzen Erde stecken. Am Zaun entlang sollen die „Bäume des Jahres“ wachsen, 24 an der Zahl mit je drei Exemplaren. Am Jahr 1992 gräbt die Redakteurin selbst. Schließlich gilt es, die Wettschulden vom Stadtteilabend einzulösen. Drei Ulmen im Namen der SZ sind schnell gepflanzt.
Ishak Eker buddelt, was das Zeug hält, und führt parallel spontan Gehaltsverhandlungen. Dass Profis pro Stunde 50 bis 80 Bäume in die Erde bringen, lassen die Forderungen des Hauptschülers etwas bescheidener ausfallen. Auch Meltem Emre schwingt eifrig den Spaten. Diese Art von Unterricht macht sichtlich Spaß.
„Der Bürgerwald soll ein außerschulischer Lernort werden“, sagt Hüsing. Einmal im Jahr ausgiebig das Thema Wald und das längst nicht nur in Biologie, so sei es mit Grund-, Haupt- und Realschule verabredet. Mit weiteren Aktionen wie Festen, Detektivspielen und Baumwetten wollen Verein und Stiftung die Thieder – ganz gleich, ob alt oder jung – emotional an ihren Wald binden. Den Winter werde man zu weiteren Gesprächen und zur Sponsorensuche nutzen bevor im Frühjahr die nächste Pflanzaktion ansteht.

