Streit um Stunden für Sekretärinnen in Schulen
Salzgitter Sieben Schulen in Salzgitter erhalten künftig weniger Wochenstunden. Schulleiter fühlen sich von der Verwaltung übergangen.
Die Stundenverteilung für Salzgitters Schulsekretärinnen soll neu berechnet werden. Deshalb hat die Verwaltung das 25 Jahre alte Berechnungssystem überarbeitet und neue Kriterien zugrunde gelegt. Doch mit denen sind nicht alle Schulleiter zufrieden. Denn: Sieben Schulen bekommen künftig weniger Wochenstunden für die Sekretärinnen.
Der Hintergrund für die Neuberechnung: Der Arbeitsumfang der Schulsekretärinnen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nun sollen auch Aufgabenbereiche wie Budgetierung Sprachförderung, Ganztagsschule, Eigenverantwortliche Schule oder die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets bei der Neuberechnung eine Rolle spielen, darüber hinaus auch der Anteil an Schülern mit ausländischen Wurzeln.
Die Stundenanpassung sollte zum Januar greifen. Doch der Bildungsausschuss sprach sich Donnerstagabend erst einmal dafür aus, seine Entscheidung auf die Februar-Sitzung zu vertagen. Zu viele Fragen seien offen, hieß es.
Bereits in den Jahren 2011 und 2012 hatte die Stadt als Arbeitgeber der Schulsekretärinnen in einer befristeten Übergangslösung die Wochenstundenzahl auf 1000 erhöht. 2010 habe das Stundensoll für alle Schulsekretärinnen noch 953 Stunden je Woche betragen, berichtete Michael Cramme von der Schulverwaltung. „Würden wir das alte Berechnungssystem behalten, würden sich die Stunden aufgrund der weiter rückläufigen Schülerzahlen auf 866 Stunden reduzieren“, erklärte er. Die Stundenreduzierung sei aber aufgrund des veränderten Arbeitsumfangs der Sekretärinnen „aus Sicht der Verwaltung nicht vertretbar“, so Cramme. Allerdings: Auch bei den neuen Berechnungskriterien müssten die 1000 Wochenstunden eingehalten werde.
Die Folge des neuen Modells: „Von 35 Schulen behalten 28 ihre Stunden oder bekommen sogar mehr“, berichtete Cramme. Das Kranich-Gymnasium, das Gymnasium Am Fredenberg, die Realschulen Thiede und Gebhardshagen, die Grundschule Fredenberg, die Sonnenbergschule sowie die Steinbergschule verlören hingegen Stunden.
Das Gymnasium Salzgitter-Bad habe bereits zuvor seine Stunden um sieben reduziert. Und die Sekretärinnenstunden für die Schulaußenstellen seien mit denen für die Stammschule verrechnet worden, erklärte Cramme.
Die im Bildungsausschuss anwesenden und künftig von weniger Stunden betroffenen Schulleiter waren angefasst. Anke Ilgner (Kranich-Gymnasium) stellte das Berechnungsmodell infrage: „Wie viele Schüler nehmen ein Ganztagsangebot in Anspruch? Wie ist Migrationshintergrund definiert?“, wollte sie beispielsweise wissen. Und Lutz Salvi (Realschule Thiede) bemängelte: „Mit den betroffenen Schulen wurde nicht gesprochen.“ Dem pflichtete Andrea Bese (Gymnasium Am Fredenberg) bei. Sie kenne das Schreiben erst seit heute.
Michael Cramme und Bildungsdezernentin Christa Frenzel sahen das anders: Der Schulleiter-Arbeitskreis sei informiert gewesen, er hätte die Information weiterleiten müssen. Allerdings räumte Frenzel ein: Ein zugesagter vorheriger Informationsaustausch habe in der Tat nicht stattgefunden. „Wir haben aus Zeitgründen nicht mehr miteinander gesprochen, deshalb haben wir die Informationen vorab verschickt“, so Frenzel.
Doch auch die Mitglieder des Bildungsausschusses schlossen sich den Kritiken der Schulleiter an. So sei das Thema Inklusion nicht berücksichtigt, monierte Elternvertreter Wolfgang Pozzato. Ulrich Leidecker (SPD) sieht ebenfalls eine Kürzung bei den Schulen mit Außenstellen. So fielen etwa bei der Außenstelle Lesse zehn Stunden weg, die Stammschule in Lichtenberg bekomme aber nur vier Stunden mehr als bisher. Und Hermann Fleischer (Linke) fragte nach der Berechnung für die IGS Salzgitter, die mit der Berechnung für die auslaufende Grund-, Haupt- und Realschule (GHRS) Amselstieg zusammenfällt. Die 53 Wochenstunden für das Sekretariat sollen bis Mitte 2015 beibehalten werden. „Die Zahl der IGS-Schüler steigt jedes Jahr um 150, die der GHRS sinkt aber jährlich nur um 110. Was ist mit der Differenz?“, fragte Fleischer.
Geht der Beschluss durch, soll die Verwaltung 2015 die Auswirkungen des neuen Modells prüfen. Frenzel stellte aber in Aussicht, die Evaluation bereits auf 2013 vorzuziehen.



