Vom VHS-Flirtkurs zur agilen Senioren-WG
Lebenstedt Schauspielerin Saskia Valencia steht am 13. Dezember in Lebenstedt auf der Bühne. Im SZ-Interview spricht sie über sich, Käse und das Theaterstück.
Vier alleinstehende Frauen und drei Männer haben sich zum VHS-Kursus „55 plus“ angemeldet. Der Flirt-Crashkursus soll die neuesten Methoden zur Selbstvermarktung lehren. Doch das Seminar geht schief, der Kursus platzt. Bei einer Abschlussfete entsteht die zündende Idee: Die Gruppe gründet eine Alten-WG. „Blütenträume“ heißt das turbulente Schauspiel, in dem Saskia Valencia am 13. Dezember auf der Bühne der Aula des Gymnasiums am Fredenberg in Lebenstedt steht. Mit der 48-jährigen gebürtigen Rostockerin sprach SZ-Redakteurin Alexandra Ritter.
Was hat Sie an dem Stück „Blütenträume“ gereizt?
Es ist von Lutz Hübner. Der ist zurzeit einer der meist gespielten Dramatiker. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er einen sehr guten Blick auf Dinge hat, die uns gerade beschäftigen. Dieses Stück zum Beispiel beschäftigt sich mit dem alleine Altwerden oder dem gemeinsam Altwerden in der Gruppe. Ich spiele eine junge Frau, deren VHS-Kurs nicht stattfindet. Deshalb lande ich bei 55 plus. Die Figurenzeichnung des Stücks ist schön. Es gibt einen ganz exakten Blick auf die Figuren. Das hat mir total gefallen. Deshalb habe ich das Angebot gerne angenommen.
Im Schauspiel gründen Sie eine Alten-WG. Was halten Sie generell von so etwas? Henning Scherf, der frühere Bürgermeister Bremens, setzt sich zum Beispiel für ein solches Modell ein.
Ich finde das großartig! Ich ziehe das für mich auch schon ganz lange in Betracht. Natürlich ist es für uns alle ein Traum, in der Familie alt zu werden. Aber das hat sich aufgrund unterschiedlicher Lebensformen etwas überholt. Man will vielleicht später seinen Kindern auch nicht zur Last fallen. Meine Tochter sagt allerdings, mein Sohn soll so viel Geld verdienen, dass er uns ein großes Haus an der Elbe kauft. Da würden wir dann alle einziehen. Für mich habe ich aber auch erwogen, mit Freunden zusammenzuziehen. Und zwar schon bald. Ich habe gerade mit Freunden gesprochen, ob wir nicht mal gucken und ein geeignetes Objekt kaufen oder mieten wollen, wo jeder seine Wohnung hat, es aber auch Gemeinschaftsräume gibt. Wo man füreinander da ist, sich aber auch aus dem Weg gehen kann. Ich könnte mir das gut vorstellen.
Problematisch wird es, wenn jemand im Alter krank oder dement wird …
Das kann man in einer Gruppe auch viel besser lösen! Ich habe das mal durchgerechnet: Mit 1500 Euro pro Person kann man so was gut hinkriegen. Sie können mit sieben Personen für 8400 Euro ein großes Objekt mieten und haben dann immer noch 300 Euro pro Nase für eine Fachkraft. Die muss natürlich aus dem Ostblock kommen, weil deutsche Fachkräfte schwer zu bezahlen sind. Aber das ist ja inzwischen legalisiert. Wir schieben ja unsere Alten eh nach Tschechien und sonst wo ab, wenn wir uns das in Deutschland nicht mehr leisten können. Das ist also ein akutes Thema.
Ein herkömmliches Altenheim würde für Sie nicht infrage kommen?
Nein! Ich will doch nicht ins Altenheim! Und wenn ich dement werde, will ich sowieso nicht mehr. Dann sollen sie mir eine Tablette geben …
Bekannt geworden sind Sie mit „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und „Unser Charly“. Sie waren aber auch mal Frau Antje aus Holland …
Ja, das war ganz am Anfang. Da war ich noch gar nicht bekannt. Drei Jahre war ich Frau Antje.
Wie ist es dazu gekommen?
Meine Agentur hat mich damals vermittelt. Ich war gerade frisch im Westen und hatte eine tolle Agentur. Die machte ein Casting. Ein befreundeter Schauspieler hat sich mit einem Foto, auf dem ich auch zu sehen war, beworben. Die Agentur hat nur gesagt: Das ist ja schön, aber wer ist das Mädchen? Und dann wurde ich Frau Antje.
Mögen Sie holländischen Käse?
Eher nicht so. Ich mag zwar schon mal gerne einen Gouda, bin aber eher der französische Käse-Fan. Ich mag Käse ein bisschen vielseitiger und geschmackvoller.
Das vollständige Interview lesen Sie am Freitag in der Salzgitter-Zeitung.
„Blütenträume“
Mit dem Schauspiel gastiert Saskia Valencia auf Einladung des Kulturkreises am Donnerstag, 13. Dezember, 20 Uhr, in der Aula des Gymnasiums Am Fredenberg. Karten gibt es beim Kulturkreis im Tillyhaus, bei der Agentur Reimann sowie dem Post- und Ticketforum in Salzgitter-Bad, außerdem beim Tinten-Tank-Discount in Lebenstedt und dem Post- und Ticketforum Janotta in Thiede.


