Rentner, schlafwandlerisch grotesk
Lebenstedt „Blütenträume“ von Lutz Hübner entpuppt sich als ein Stück mit Humor und mit exzellenten Schauspielern über die jungen Alten.
Der Kulturkreis präsentierte eine gelungene Produktion der Konzertdirektion Landgraf zum Thema „Generation Rente“. Die jungen Alten sind in unserer Gesellschaft eine stark zunehmende Größe, die Autor Lutz Hübner in seinem Schauspiel „Blütenträume“ so schlafwandlerisch grotesk und realistisch verpackt. Das Leben läuft ab, und irgendwie will man noch etwas verändern, seinem Leben einen neuen Sinn geben. Alt wollen die Personen in „Blütenträume“ nicht sein, hingegen voller Tatendrang und Mobilität. Doch überall klingt die Depression mit, man ist sich nicht sicher, treibt alleingelassen im Nirwana umher.
Alles beginnt bei einem Flirtkurs 55plus an der Volkshochschule, der die Eigenheiten und die Psyche der Personen wie auf einem silbernen Tablett präsentiert.
Die Darsteller, bestens bekannt aus Film, Fernsehen und Theater, waren exzellent ausgesucht und spielten Ihre Rollen mit Leidenschaft und Rentner-Power. Ein ganz anderer Charakter war da der Seminarleiter Jan, hier überragend gespielt von Ben Zimmermann. Mal der einfühlsame Seniorenversteher, dann wieder der genervte Jungspund mit einem Schuss Hass auf die Alten mit ihren schrulligen Macken. Das alte Thema immer wieder neu, brillant umgesetzt mit viel Einfühlungsvermögen. Didaktik und Konzepte prallten da ungebremst auf uralte Lebenserfahrung und Ausdauer. Das Ende: ein Fußtritt für den sich nicht verstanden fühlenden Jan.
Da ist auf der alten, jungen Rentnerschiene die im Leben stehende Witwe Frieda, überzeugend gespielt von TV-Liebling Claudia Rieschel; der etwas kauzige Menschenfreund und Ex-Schreiner Ulf, wuselig und etwas miefig hingebungsvoll dargeboten von Michael Altmann, der bodenständige Ruhrpottler und Ex-Automechaniker Heinz, trottelig bis ins Mark hinreißend interpretiert von Michael Derda; die Witwe Gila mit ausgeprägtem Mutter- und Oma-Komplex und genauso gespielt von Renée Zalusky; der über alles erhabene, super korrekte Ex-Schuldirektor Friedrich, großartig verkörpert von Hans-Peter Deppe;, die schnippische und angriffslustige Ex-Bibliothekarin Britta mit einem Hang zur Verachtung, kongenial dargestellt von Antje Cornelissen und die frustrierte, unverstandene, gut aussehende und im Stück erst 35 Jahre alte und im Beruf stehende Maklerin Julia, hingebungsvoll leidend verkörpert von TV-Star Saskia Valencia.
Zur geplanten Senioren-WG kommt es schlussendlich doch nicht, so doch zu neuen, vielversprechenden Paarbindungen, an die man nie gedacht hätte.
Ein Abend, der viel Wahres enthielt, zum Nachdenken anregte und immer ein humoriges Schmunzeln abverlangte. Das Publikum, vom Alter genau passend, war begeistert und im besten Sinne gut unterhalten. Stürmischer, langanhaltender Applaus brandete den Schauspielern für eine tadellose Leistung auf der Bühne entgegen.

