Ratterte es auf den Gleisen, ging es im Abteil auf Reisen
Salder Die SZ stellt in einer fünfteiligen Serie anschauliche Beispiele aus der 241-seitigen Konzeption der Stadt für das geplante Mobilitätsmuseum vor.
Als Holger Brüser Mitte September mit einem Tieflader, einem 160- und 80-Tonner in den Salderschen Schlosshof einrückt, soll er gewichtige Symbole regionaler Transport- und Reisegeschichte retten. Im Auftrag des Museums lässt der Geschäftsführer eines Kranverleihs zwei Loks vor den Kornspeicher wuchten. Die dreiachsige Diesellok, die die Firma Deutz 1956 herstellte und die seit Juni 2001 in städtischem Besitz ist, soll ebenso im künftigen Mobilitätsmuseum funkeln wie die Hanomag-Tenderlok, von der es weltweit gerade mal zehn Exemplare gibt. Doch sie sind derzeit die einzigen Ausstellungsstücke, die aus eigenem Besitz kommen – Magnetwirkung erhofft sich die Kommune vor allem von den einmaligen Loks und Waggons aus LHB-Beständen, die ihr Alstom überlässt.
Sollte die Stadt die geplante Ausstellungshalle für knapp 4 Millionen Euro in Schlossnähe errichten, werden die Besucher über einen Laufsteg an den bis zu 150 Jahre alten Zügen und Waggons vorbeigeführt. Um Raritäten wie den dritten Hofsalonwagen von Kaiserin Auguste Viktoria (1858-1921) zu schützen, dürfen sich die Schaulustigen nicht durch feudale Schlafstatt, Bad und Aufenthaltsraum drängen – aufs komfortable Mobiliar wird nur der Blick von außen gestattet. Durch die Waggonfenster sollen einzigartige Eindrücke zu erhaschen sein vom De-luxe-Reisen zu Kaisers Zeiten – samt Strom, Heizung und Belüftung.
Zuggeschichte schreibt auch die grün-rote Personenzuglokomotive P10 von 1924. Mit Spitzentempo 110 gilt sie als bestes Zugpferd ihrer Zeit und ihre Typenschilder sind unter Eisenbahnfans so beliebt, dass schon derzeit im Werksmuseum Fachleute wie Betriebsratsmitglied Martin Hartinger oder Vorsitzender Bernd Eberle stets darauf achten müssen, „dass sie nicht einer heimlich abschraubt“.
Die Faszination am Gleis zu Urgroßvaters Zeit erleben Ratsmitglieder bereits Mitte Februar. Sie lassen sich in der nicht-öffentlichen Schau im Werksmuseum etwa vom dreiachsigen Drehgestell von 1908 oder dem Innenleben der Personenzug-Dampfloks aus den 1920er-Jahren beeindrucken. Doch das will Museumsleiter Jörg Leuschner auf 2500 Quadratmetern in der geplanten Halle stärker lokalisieren – etwa durch das Börßumer Stellwerk, das den Verkehr an Schienen regelt, die unter der Glaskuppel durchführen. Oder durch den Wiederaufbau des teilweise sichergestellten alten Lebenstedter Bahnhofs mit Bahnhofsschild und dem modernen „Hüttenflitzer“ der Salzgitter AG.
Doch der Bahn und ihrer regionalen Produktion folgen die Besucher nicht nur über Land. Die Straßenbahn, die ab 1949 bis in die 1960er-Jahre ihre Blütezeit erlebte, ist ebenfalls in Originalen zu erleben.
