Nach Hurrikan Sandy – Ein Thieder schildert seine Eindrücke
Thiede Für Horst Neumann sollte es eine gewöhnliche Reise auf die Karibikinsel Kuba werden. Doch durch Hurrikan Sandy wurde es ein Solidaritätsbesuch.
Elf Tote und zahlreiche zerstörte Häuser – dies ist die traurige Bilanz von Hurrikan Sandy auf Kuba. Vom 24. auf den 25. Oktober dieses Jahres wütete der Sturm dort vor allem im Osten der Insel. Der Thieder Horst Neumann besuchte zu dem Zeitpunkt Freunde auf der Karibikinsel und schildert seine Eindrücke.
Der Thieder fliegt regelmäßig nach Kuba, um dort Kontakte aus Gewerkschaftstagen zu pflegen oder einen Kindergarten zu unterstützen. Als Sandy wütete, befand er sich noch an der Westküste Kubas. „Wir waren am 21. Oktober gelandet und wollten eigentlich einige Tage später weiter fliegen, um im Osten der Insel Santiago und Hemingways Finca zu besuchen“, erläutert der Thieder. Doch aus diesem Vorhaben wurde nichts mehr. „Der Flughafen von Santiago de Cuba wurde durch Sturm zerstört“, sagt er.
Neumann sei sich der Katastrophe bewusst gewesen, sagt er. „Ich wollte aber etwas unternehmen und helfen – Solidarität zeigen“, sagt der Thieder. Mit seiner Reisegruppe beschloss er die Reisekasse zusammen zulegen, um vor Ort finanziell zu helfen. Mit dem Bus fuhren sie nach Santiago. „16 Stunden dauerte unsere Fahrt“, sagt er und schildert, wie die Straßen durch entwurzelte Bäume und Schutt versperrt waren. „An vielen Kreuzungen der Region regelte die Polizei oder das Militär den Verkehr“, berichtet er.
Santiago habe der Sturm besonders hart getroffen. „Die älteren Kubaner, die wir sprachen, konnten sich nicht erinnern, dass es dort in den letzten 50 Jahren einen solchen Sturm gegeben hat“, sagt Neumann. Vier Stunden habe der Hurrikan in der Stadt gewütet. Gut 17500 zerstörte Gebäude hinterließ Sandy. „Auch das Hotel, in dem wir uns in Santiago einquartieren wollten, war vollständig zerstört“, sagt er.
Ein Freund habe den Sturm im 14. Stock seines Hotels miterlebt, berichtet der Thieder. „Die Zimmer und das Gebäude blieben weitgehend unbeschädigt“, sagt er. Doch auf der Windseite habe der Sturm die Verglasung des Treppenhauses zerstört.
Dass der Sturm dort so habe wüten können, liegt an der besonderen Lage der Stadt, erläutert der Thieder. Die 500000 Einwohner zählende Hafenstadt liegt in einem Talkessel im Südosten der Insel. „Der Sturm kam aus Richtung Jamaicas und traf die Insel aus südlicher Richtung“, sagt Neumann.
Beeindruckend habe der Thieder gefunden, wie die Einheimischen mit dieser Situation umgegangen sind. „Die Menschen hatten keinen Strom mehr und teilweise war der Sturm durch die Schlafzimmer gezogen“, sagt Neumann. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln sei problematisch gewesen. „Die Polizei steuerte den Brotverkauf in den Geschäften, um Hamsterkäufe zu unterbinden“, sagt Neumann. Es seien grausame Erlebnisse gewesen.
Trotz der Tragödie hätten die Menschen bereits am nächsten Tag mit dem Wiederaufbau begonnen. „Die gesamte Bevölkerung war dazu aufgerufen“, sagt Neumann. Auch die Betriebe stellten dafür ihre Mitarbeiter ab.

