„Guten Abend – das ist ein Überfall!“
Lebenstedt Prozessauftakt in Braunschweig: Messerüberfall auf zwei Spielhallen im Stadtgebiet.
„Es tut mir sehr leid, was ich getan habe“, sagt der 23-jährige Angeklagte aus Salzgitter in Richtung der Spielhallenaufsicht. Die 56-jährige Frau aus Hallendorf hatte kurz zuvor der Strafkammer des Landgerichtes Braunschweig den Tathergang aus ihrer Sicht geschildert. Dabei zeigt sie sich durchaus berührt von der Reue des Mannes, der sie im Juli vergangenen Jahres mit dem Messer bedroht hat und mit einigen hundert Euro Tageseinnahmen geflüchtet war.
„Schönen guten Abend – das ist ein Überfall!“ Auch wenn der Räuber, der nun neben ihr auf der Anklagebank sitzt, fast wie ein Gentleman um die Einnahmen der Spielhalle gebeten haben will, stecke ihr das Ereignis doch noch immer in den Knochen und sie leide unter Albträumen. Zumal es bereits der zweite Überfall in ihrer Laufbahn als Spielhallen-Aufsicht gewesen sei.
Mit Kapuzenpulli und einer selbst aus einem Unterhemd gefertigten Maskierung sei der Täter in den frühen Morgenstunden in die Spielhalle gestürmt und habe mit dem Brotmesser vor ihren Augen herum gefuchtelt. Nur knapp eine Woche später war eine andere Spielhalle Tatort. Nach ganz ähnlichem Muster – nur benutzte der schon bei der Festnahme geständige Mann diesmal ein kleineres Kartoffel-Messer.
Mit dem Hauptangeklagten muss sich noch ein weiterer Mann aus Salzgitter vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. Beide sitzen seit den Taten in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftlichen schweren Raub in zwei Fällen vor. Der zweite Beschuldigte, ein 29-jähriger Freund des Haupttäters, sollte vor den bewaffneten Überfällen auf die Spielotheken Berliner Straße/Ecke Chemnitzer und der Marienbruchstraße zunächst herausfinden, ob die Luft rein sei.
Er behauptet allerdings, dass er sich an die Überfälle nicht mehr erinnern könne, da er unter erheblichem Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden habe. Marihuana habe er zu diesem Zeitpunkt wie Zigaretten geraucht und auch regelmäßig einige Gramm Kokain geschnupft. An beiden Abenden sei er völlig „zu“ gewesen. Das bestätigt auch der sechs Jahre jüngere Haupttäter, der seinen Freund zu den Taten hatte überreden müssen. Die Beute sei jeweils zu gleichen Teilen untereinander aufgeteilt worden. Während die Staatsanwaltschaft die Beute auf mehr als 1700 Euro beziffert, spricht der Angeklagte von gerade einmal 960 Euro „Einnahme“.
Für beide Täter könnte eine Strafe wegen verminderter Schuldfähigkeit und die Einweisung in einen Drogen-entzug in Frage kommen. Letzteres hat Staatsanwältin Charlotte Wieneke zumindest für den Hauptangeklagten gefordert. Bei den Taten handelt es sich offensichtlich um Beschaffungskriminalität. So seien unmittelbar nach den Überfällen im Umfeld des Braunschweiger Rotlicht-Milieus etliche Gramm Kokain als Nachschub gekauft worden.
Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.
