Deutschlands unvergessener Schelm ulkt wieder
Lebenstedt Der verschmitzte TV-Komödiant Heist schlüpfte mit fahrigen Bewegungen und Hornbrille in der Kulturscheune in die Rolle seines großen Vorbilds.
„Er ist ein artiger Parodiant – ich meine, ein groß-artiger“: So würde es wohl Heinz Erhardt, einer der Urväter der deutschen Komödie, ausdrücken, wenn er Hans-Joachim Heist beschreiben müsste. Natürlich mit einem intelligenten Wortspiel. Und tatsächlich ist Hajo Heist so etwas wie ein „Parodiant“. Denn der verschmitzte TV-Komödiant schlüpft unvermittelt in die Rolle seines großen Vorbildes. Er lässt den wohl beliebtesten deutschen Komiker der Nachkriegszeit am Samstagabend in der Kulturscheune für etwa 100 Minuten wieder ein Stück weit auferstehen.
Eine Parodie, die dem 62-Jährigen auf den Leib geschrieben ist. Mit Gestik und Mimik überzeugt Heist ziemlich originalgetreu – wie auch Statur und „Haarpracht“ dem 1979 verstorbenen Heinz Erhardt stark ähneln: „Ich trage mein Haar stets offen, möchte aber heute nicht über ausgefallene Dinge sprechen.“
Heist reimt, lacht, zappelt und fasst sich dabei mit beiden Händen fast unentwegt an die dunkle Hornbrille. Manchmal vielleicht eine Spur zu dick aufgetragen.
Dass er die Genialität des 1909 im lettischen Riga geborenen Heinz Erhardt mit seinen meist hintergründigen Gedichten, Pointen und Liedern nicht erreichen kann, versteht sich fast von selbst. Denn Erhardt fällt sicher unter die Kategorie: „Oft kopiert, aber nie erreicht“. Ein Anspruch, den der eher zurückhaltend und bescheiden auftretende Heist auch nicht hegt.
Doch der Künstler, der sich als griesgrämiger und ewig motzender Gernot Hassknecht in der ZDF-Satiresendung „Heute-Show“ deutschlandweit einen Namen gemacht hat – er beherrscht den Erhardt „handwerklich“ bis ins Detail. Er zeigt sich textsicher und mit den nötigen Entertainer-Qualitäten, auch wenn er mal kurz aus der Rolle heraustritt. Immer wieder spickt er das Programm mit interessanten Details aus dem Leben des verschmitzten Wortakrobaten. Motto: „Was bin ich heute wieder für ein Schelm“.
Die rund 140 Zuschauer, die in der Kulturscheune „cognac“-(rum)-saßen, spenden intensiven Beifall und scheinen den Abend zu genießen. Vor allem die Fans in der ersten Reihe, denen ein Korn (100 Prozent Wasser) eingeschenkt wird. Nach dem Korn folgt unweigerlich noch ’n Gedicht und noch eins und noch eins …
Nicht wirklich eine Drohung, sondern eine Offenbarung. Denn die poetisch-komödiantische Schaffenskraft von Heinz Erhardt, der auch als Filmfigur Will Winzig große Erfolge feierte, war groß und entfaltet noch immer eine nachhaltige Wirkung. „Hier in Salzgitter denkt das Publikum mit“, lobt Heist, als begonnene Reime emsig zu Ende geführt werden. Zur Belohnung verrät er, warum Zitronen sauer sind oder, dass die Bilder an den Wänden nur dazu dienen, Nägel zu zieren. Am Ende verabschiedet sich der Mime, der 2013 als Gernot Hassknecht wiederkommen will, teilweise per Handschlag von seinem Publikum und erntet vereinzelte Bravo-Rufe.

