Die Headliner und der Herbst
Salzgitter Die Headliner-Autoren fragen: Was treibt uns um, wenn der Herbst plötzlich das Licht ausknipst?
Der Herbst ist da, keine Frage! Zeit, es sich mal wieder auf dem Sofa gemütlich zu machen, ein Tässchen Tee zu schlürfen und dabei ein wenig ins Grübeln zu geraten. Und was es nicht alles zu Grübeln gibt! Den Headlinern zumindest gehen in diesen stürmischen Zeiten viele Dinge durch den Kopf. Es ist doch jedes Jahr im Oktober dasselbe: Plötzlich ist es dunkel und kalt, irgendwer hat das Licht ausgeknipst. Man darf wieder Zeit im Haus verbringen und zwar ohne schlechtes Gewissen. Endlich mal wieder herumlungern, die Tage verstreichen lassen und das Gehirn dabei ein wenig lüften. Der Schulstress ist jetzt in den Ferien erst einmal vergessen.
Katalina Bergmann, 16, würde am liebsten tanzend durchs Leben gehen
Ballett ist eine klischeebehaftete Sportart. Viele Menschen assoziieren damit nur Tütüs, Spagat oder das „Auf-den-Zehenspitzen-Stehen“.
Für mich ist es weitaus mehr. Mit vier Jahren hatte ich den Wunsch, Ballerina zu werden. Nun tanze ich seit zwölf Jahren, und es ist zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden. Ballett bedeutet für mich, die Seele baumeln lassen zu können, während sich der Körper wie von allein zu den Klängen der klassischen Musik bewegt.
Ich fahre häufig in meiner Freizeit in die Ballettschule, um den Kopf frei zu bekommen. Ballett ist eine der härtesten Sportarten. Allerdings belehrt uns unsere Ballettlehrerin immer wieder, vom Ballett nicht als eine Sportart zu reden. Ballett ist Kunst – und damit hat sie Recht.
Alle zwei Jahre haben wir eine große Aufführung, und bei der letzten Aufführung habe ich die Hauptrolle des Dornröschens getanzt. In der halben Stunde auf der Bühne steckten zwei Jahre harte Arbeit.
Viele fragen mich, weshalb ich das alles auf mich nehme. Meine Antwort darauf ist immer dieselbe: Das Gefühl auf der Bühne ist unbeschreiblich, mit nichts zu vergleichen.
Nach den vielen Jahren des anstrengenden Tanzens spüre ich, welche Auswirkungen es auf meinen Körper hat. Trotzdem könnte ich niemals aufhören, Ballett zu tanzen. Es gehört zu mir. Ich möchte nichts weiter tun, außer tanzend durchs Leben zu gehen und es zu meinem Beruf zu machen.
Nelly Saibel, 16, ist gestresst vom Turbo-Abi
Die Welt ist gut, die Welt ist schlecht. Atomkraft ist gut, Atomkraft ist schlecht. Jeder hat so seine eigene Meinung zu den verschiedensten Themen. Und es gibt Sachen, die können uns Jugendliche schon fast wütend machen.
Beispielsweise das allseits bekannte Turbo-Abi, dessen Opfer ich leider auch bin. Eigentlich eine wirklich schlaue Idee: Die Gymnasiasten machen nun nach zwölf anstatt nach 13 Jahren ihr Abitur. Dann können wir früher arbeiten gehen. Ich glaube aber nicht, dass bei all der Planung an die Interessen der Schüler gedacht wurde: an den ganzen Stress der damit verbunden ist, an die mangelnde Freizeit und an den vielen Unterrichtsstoff, der in kürzester Zeit vermittelt werden soll. Ich denke, ich bin nicht die Einzige, der das Turbo-Abi nicht gefällt.
Aber wo sind die anderen? Sie nehmen es hin und tun nichts dagegen. Wenn sich alle Schüler zusammentun würden, um gemeinsam gegen das Turbo-Abi zu demonstrieren, dann sähe der Alltag für einige Politiker anders aus.
Ich finde, wir Jugendliche sollten öfter auf die Straße gehen, um für unsere Interessen zu demonstrieren. Sonst werden wir nicht wahrgenommen.
Lisa Matschinsky, 16, hat ihr Herz an Marek verloren
Das hätte ich niemals vermutet, dass ein Esel so schlau und rücksichtsvoll ist. Woher ich das weiß? Seit kurzem bin ich stolze Besitzerin eines solch tollen Tieres. Marek, so heißt unser Esel, teilt seine Weide in Baddeckenstedt mit einem Schaf, Sachsenenten und Hühnern.
Viel Arbeit ist also vorprogrammiert: Stall misten, striegeln, putzen, füttern und das mehrmals die Woche. Aber das mache ich nicht alles alleine. Die ganze Familie hilft mit, darunter auch meine Cousine und ihr Freund. Denen gehört ein Großteil der Tiere. Alles fing damit an, dass wir nur Enten und Hühner für die Koppel kaufen wollten. Dabei haben wir Marek gesehen.
Er gefiel uns auf Anhieb, und wir kauften ihn sofort. Zum Glück hatten wir beim Entenkauf einen Anhänger dabei. Damit Marek nicht so alleine ist, besorgten wir ihm auch noch einen Freund: Shaun, das Schaf.
Die beiden verstehen sich prächtig. Da wo Marek ist, befindet sich auch Shaun. Die Baddeckenstedter staunten nicht schlecht, als sie zum ersten Mal den kleinen Zoo gesehen haben. Für mich erfüllt sich mit meinem Esel ein großer Traum. Früher habe ich mir immer ein Pferd gewünscht, aber da ich nie reiten gelernt habe, klappte dies leider nicht. Also Plan B! Viele haben Pferde, aber kaum jemand einen Esel. Da ich nicht gerne dem Mainstream folge, konnte ich mich nur für Marek entscheiden.
Patrizia Spanke, 15, denkt über eine ganz besondere Art des Dolmetschens nach
Ich gehe jetzt in die elfte Klasse. Das heißt, mein Abitur rückt immer näher, und ich beginne, mir Gedanken über meine Zukunft zu machen, besonders über meinen zukünftigen Beruf.
Ich liebe fast alles, das mit Schreiben und Sprachen zu tun hat, und bin deshalb auf den Beruf des Gebärdensprach-Dolmetschers gestoßen. Natürlich könnte ich auch „normale“ Dolmetscherin werden, aber das finde ich nicht so spannend.
Ich finde, die Gebärdensprache ist wie eine etwas exotischere Fremdsprache. Sie fasziniert mich, weil sie dadurch, dass man ausschließlich mit Gestik und Mimik arbeitet, ganz anders ist als das normale Reden. Die Gebärdensprache wurde in Deutschland lange nicht als vollwertige Sprache anerkannt. Erst seit Anfang der 90er-Jahre besteht die Möglichkeit, diese Sprache zu studieren oder eine Ausbildung in diesem Bereich zu machen.
Normale Dolmetscher übersetzen auf Konferenzen meist abgeschieden in Kabinen, was bei Gebärdensprach-Dolmetschern natürlich nicht geht. Das finde ich aber sehr gut, weil es so persönlicher ist und man von Angesicht zu Angesicht mit den Beteiligten kommunizieren muss. Man kann auch im Team dolmetschen, um die Konzentration länger zu erhalten, wie etwa auf größeren und längeren Veranstaltungen.
Bei einem Zweierteam zum Beispiel würde abwechselnd je einer der beiden übersetzen, und der andere Partner würde aufmerksam zuhören und den anderen unterstützen. Eines steht für mich fest: Das Gebärdensprach-Dolmetschen gehört auf jeden Fall in meine engere Berufswahl.
Isabelle Schumacher, 16, findet Giftköder im Park ganz abscheulich
Vor ein paar Wochen – als es noch schön warm und sommerlich war – bin ich mit meinem Hund spazieren gegangen. Und wie es so ist, traf ich in der Feldmark auch andere Hundebesitzer.
Einer von ihnen erzählte mir, man hätte wieder neue Giftköder im Park entdeckt. Auch in der Zeitung liest man immer wieder von giftigen Überraschungen, mit Rasierklingen gespickte Würste, die versteckt in Gebüschen darauf warten, von Hunden gefressen zu werden.
Mir stellt sich die Frage: Warum tun Menschen so etwas? Es ist nicht schlimm, wenn man sich über schlecht platzierte Hundehaufen aufregt, aber so etwas geht einen Schritt zu weit. So etwas ist bestialisch und brutal. Abgesehen von der Tatsache, dass auch Kinder sich an Glasscherben verletzen oder das Gift verschlucken könnten.
Ich hoffe sehr, dass in Zukunft solche Meldungen ganz ausbleiben. Denn: Ist es das wirklich wert? Ein fühlendes Wesen zu verletzen, ihm bewusst Schmerzen zuzuführen und sogar Kinder zu gefährden, nur weil es hier und da bellt und Hundehaufen am Wegesrand liegen?
Hundehaufen, die von selbst verschwinden, im Gegensatz zu Kippen, Pappschachteln und Plastiktüten. Dieser Müll ließe sich vermeiden, kann aber ebenfalls Tiere, Kinder und die Natur vergiften. Da sind doch die Hundehaufen, die von vielen Besitzern inzwischen sogar aus Rücksicht auf andere gleich entsorgt werden, wirklich nicht störender, oder?!
Sophia Jahnel, 18, hat die Luft der großen weiten Welt geschnuppert
Zwei Wochen Amerika-Austausch mit 22 Schülern und zwei Lehrern aus dem elften und zwölften Jahrgang des Kranich-Gymnasiums.
Warum nicht? Genau das habe ich mir vor ungefähr einem Jahr durch den Kopf gehen lassen. Schließlich passierte das, was passieren musste! Ich wurde ausgelost und durfte Teil dieser Gruppe sein.
Am 5. Oktober ging es los. Zum Flughafen nach Hannover, dann über Frankfurt in den Bundesstaat Pennsylvania. Nach neun Stunden Flug völlig erschöpft in Philadelphia angekommen, wurden wir zu unserer Partnerschule nach Lansdale, der North Penn High School, gebracht. Diese ist ungefähr eine Stunde vom Flughafen der Großstadt entfernt.
Dort haben uns ausgewählte Gastfamilien freundlich empfangen. Ich hatte das Glück, bei einer Schulfreundin meiner Mutter und ihrer siebenköpfigen Familie zu wohnen, die ich vorher schon kannte. In Deutschland ist eine solch große Familie heute fast unvorstellbar, aber in Amerika ist alles möglich. Vor allem ist dort alles größer. Das reicht von den Autos bis zu den Getränken, die man bestellt. Was dort ein kleines Wasser ist, ist für uns bereits der große Becher.
Auch unsere Partnerschule war ungefähr viermal größer als das Kranich-Gymnasium und hatte sogar sein eigenes Observatorium, Schwimmbad und Fernsehstudio! Es waren anstrengende Tage, aber sie haben sich gelohnt. Wir haben viel gesehen und eine andere Kultur auf engste Weise kennengelernt. Am liebsten wäre ich dort noch länger geblieben, aber nach zwei Wochen ging es dann wieder nach Hause.
Ich bin stolz, Teil dieses Austauschprogramms gewesen zu sein!

