Ein Familienerlebnis im Wald
Salzgitter Hunderte Salzgitteraner holen sich ihren Weihnachtsbaum traditionell aus dem Salzgitter-Höhenzug.
Revierförster Frank Täge und Dirk Strauch, Pressesprecher bei den Niedersächsischen Landesforsten sind schon sehr früh auf den Beinen.
Der Wetterumschwung hat die beiden Organisatoren des traditionellen Weihnachtsbaum-Verkaufs auf dem Salzgitter-Höhenzug zum Handeln gezwungen. Denn die Zufahrtswege sind nach dem Regen und dem Temperaturanstieg um fast zehn Grad sehr matschig und durch die festgefahrenen Eisplatten schwer befahrbar. Doch noch weit vor acht Uhr morgens haben die ersten „Weihnachtsbaum-Jäger“ freie, wenn auch nicht ganz schlitterfreie, Fahrt zu den Schonungen, die für den Christbaum-Verkauf ausgewiesen wurden.
Kurz nach dem Mittagessen hat sich auch die fünfköpfige Familie Mungenast aus Bruchmachtersen auf den Weg in den Wald gemacht. Tochter Kimberly (8) stapft mit Sohn Marvin (5) voraus. Mama Nina und Papa Thomas folgen mit der erst sechsmonatigen Tochter Joyce im Kindersitz.
Es dauert schon eine Weile bis der richtige Weihnachtsbaum ausgemacht ist. „Ich habe schon befürchtet, dass bald das Ortsschild von Oelber in Sicht kommt“, flachst Papa Thomas. Doch dann steht sie vor ihnen – die schmucke Fichte: Hochgewachsen, relativ ebenmäßig und absolut festtagstauglich. Das findet auch Tochter Kimberly: „Der hat so schön viele Zweige.“
Die werden dann zum Fest mit bunten Kugeln, Girlanden und Kerzen geschmückt – „ohne Lametta“, ergänzt Marvin.
Papa Thomas, dessen Baumvorschläge zuvor keinen Anklang gefunden hatten, zückt die mitgebrachte Säge und macht sich zusammen mit Sohn Marvin daran, das Prachtstück zu fällen: „Das ist viel besser, als dem Baum vom Händler zu kaufen“, sagt Nina Mungenast.
Und so ist seit Jahren der gemeinsame Ausflug in den Wald ein echtes Familienerlebnis. Am Ende ist dann auch der Preis für den Weihnachtsbaum mit 16 Euro absolut in Ordnung. Dass am Heiligen Abend Würstchen und Kartoffelsalat verzehrt werden kann also nicht am geschröpften Geldbeutel liegen. „Das hat Tradition“, sagt Nina Mungenast. So wie eben auch der Weihnachtsbaum-Verkauf der Landesforsten, den es seit mehr als 35 Jahren gibt. „Und wenn es doch mal zum Streit um den richtigen Baum kommt, dann sind wir gefragt“, sagt Strauch und fügt an: „Bisher haben wir noch jeden Streit zum Guten wenden können.“
Rund 1500 Bäume werden es wohl sein, die die Revierförsterei Salder auch in diesem Jahr am Ende verkauft hat. „Die Menschen lieben eben die entspannte Atmosphäre im Wald bei Punsch, Stockbrot und Wildbratwurst“, sagt Strauch. Eine Traditionsinsel abseits des Weihnachtstrubels mit Antistress-Potenzial.

