„Du glaubst gar nicht, wozu der fähig ist“
Salzgitter Prozess um den Tod in der Gartenlaube: Verwandte, ein Psychologe und eine Freundin schildern die Beziehung zwischen der Getöteten und dem Angeklagten.
An dem August-Tag, als sie in einer Kleingartenlaube in Gebhardshagen erschlagen wurde, hatte die 44-jährige Salzgitteranerin wohl noch Kontakt im Internet mit einer alten Freundin. „Ich muss jetzt härtere Geschütze auffahren“, soll einer ihrer letzten Sätze gelautet haben, den sie in Bezug auf ihre damalige Beziehung zu einem 47-Jährigen geschrieben haben soll. Dieser ehemalige Lebensgefährte ist nun angeklagt, sie getötet zu haben. Die Beziehung der beiden stand im Mittelpunkt des gestrigen Prozesstages vor dem Landgericht Braunschweig.
Die beiden Kinder der Getöteten, 14 und 16 Jahre alt, sowie der Vater der gemeinsamen Kinder und ihre Mutter beschrieben eine zu Beginn – vor sechs Jahren – gute Beziehung, die mit der Zeit schlechter wurde, so dass die Frau zum Schluss sogar Angst vor ihm gehabt habe. „Er hat rumkommandiert“, sagte der Vater der Kinder, zudem habe der Angeklagte sie und die Kinder bedroht. Vergeblich habe sich die 44-Jährige mehrfach von dem Mann getrennt. „Er hat sie immer wieder bezirzt.“
Der Angeklagte sei eifersüchtig auf die Kinder gewesen, und es habe Streit gegeben, sagte der Sohn. Wenige Tage vor ihrem Tod habe sie seine Kleidung in Säcken vor die Wohnungstür gestellt. „Sie hat gesagt, sie hat ihn rausgeschmissen“, schilderte er. Am Tag ihres Todes habe der Angeklagte sie besucht, die Mutter habe sich aber abweisend verhalten. Warum sie mit in die Gartenlaube gegangen sei, wusste er nicht.
Der Angeklagte habe ihre Mutter oft „runtergemacht“, ihr Selbstvertrauen habe gelitten. Sie habe sich in letzter Zeit aber öfter durchsetzen können, schilderte die Tochter die Veränderung ihrer Mutter, „sie hat nicht mehr alles gemacht, was er wollte.“ Der Psychologe, bei dem die Getötete wegen der Trennungsproblematik ab Ende des vergangenen Jahres in Therapie war, schilderte ebenfalls die fehlende Selbstsicherheit. „Sie fühlte sich fremdbestimmt“, sagte er. Und sie sei sehr schwankend gewesen.
Der Angeklagte „war auffällig aggressiv, wenn es nicht nach seiner Nase ging“, berichtete die Mutter der Getöteten. „Er hat die Freundschaften unterbunden, er wollte sie für sich haben.“ Doch die 44-Jährige hatte heimlich im Netz Kontakt zu Freundinnen, denen sie ihre Beziehung schilderte. Eine sagte gestern, die 44-Jährige habe von ihrer Angst vor dem Angeklagten gesprochen. „Du glaubst gar nicht, wozu der fähig ist“, soll sie geschrieben haben.
