Die Schnecke und der Pilz
Salzgitter Statt Schnee und Eis Temperaturen um 10 Grad und Regen. Viele Tiere, die bei echten Wintertemperaturen im Verborgenen ruhen, sind jetzt aktiv.
Zu ihnen gehört auch der Baumschnegel, eine sehr verbreitete und häufige Nacktschnecke. Der Baumschnegel lebt in Wäldern, besonders an Bäumen. Hier ernährt sich das bis zu 75 Millimeter lange Tier von Algen, Flechten und Pilzen. Wo Algen von der Baumoberfläche abgeraspelt wurden, sind die Fraßspuren oft viele Meter hoch an Bäumen zu sehen.
Ein besonderes Verhältnis hat der Baumschnegel zu einem Pilz, der ebenso häufig ist und ebenso wenig beachtet, dem Schwarzen oder Buchen-Rindenschorf. Dieser Pilz lebt an der Außenseite der Borke von Rotbuchen und anderen Baumarten, ohne diesen aber zu schaden. Die Lager des Pilzes sehen aus wie teerartige Flecken. In diesen entwickeln sich auch die Sporen, die der Verbreitung dienen.
Und hier kommt der Baumschnegel ins Spiel. Die Schnecken fressen die Pilzmasse und scheiden die keimfähigen Sporen an anderer Stelle wieder aus. Auch an der Körperoberfläche werden wohl die Sporen verschleppt. Auf diese Weise kann der Pilz auch neue Bäume erreichen und besiedeln.
Winterliche Aktivität ist bei entsprechenden Temperaturen keine Besonderheit bei Baumschnegeln. In Deutschland erstreckt sich die Zeit der Eiablage von November bis Juni. Im Alter von einem Jahr mit einer Länge von 50 bis 60 Millimetern werden in der Regel erstmals Eier abgelegt. Diese werden gut im Boden verborgen. Ein Tier kann mehrmals im Jahr 10 bis 30 Eier legen, aus denen nach ein bis drei Monaten die 5 bis 10 Millimeter langen Jungschnegel schlüpfen.
Baumschnegel erreichen in der Regel ein Alter von höchstens drei Jahren. Das reicht aber, um genug Nachwuchs produziert zu haben. Bei trockenem Wetter sind Baumschnegel, wie die meisten Schnecken, nachtaktiv.
Wer sich aber trotz Regens zum Spaziergang in den Wald traut und gezielt an regennassen Buchenstämmen sucht, wird zurzeit sicher auch am Tage Baumschnegel entdecken und beobachten können, zum Beispiel beim Fressen an Rindenschorf-Pilzen.
