Tierheimleiterin: Tiere sind als Geschenke nicht geeignet
Salzgitter-Bad Immer wieder werden Tiere auch zu Weihnachten verschenkt. Doch was vielleicht aus guter Absicht geschah, endet für das Geschenk oft im Tierheim.
„Wir beraten gerne, doch ab zwei Wochen vor Weihnachten vermitteln wir keine Tiere mehr“, sagt Sonja Nagler, Leiterin des Tierheimes Salzgitter. Der Grund dafür ist einfach. Noch zu oft würden Tiere unüberlegt zu Weihnachten verschenkt, und später wieder in ein Tierheim abgegeben.
Der Deutsche Tierschutzbund mahnte diesbezüglich bereits Ende November in einer Pressemitteilung: Nur Plüschtiere gehören unter den Weihnachtsbaum. „Die Entscheidung für ein Tier sollte nicht spontan und aus guter Laune heraus getroffen werden“, wird Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, darin zitiert. Außerdem sei die Vorweihnachtszeit zu hektisch, um sich wirklich auf ein neues Tier einlassen zu können.
Dies sieht auch Sonja Nagler so. „Sie brauchen Zeit, um sich vernünftig mit dem neuen Mitbewohner beschäftigen zu können“, sagt sie. In der Vorweihnachtszeit und über die Feiertage sei diese Ruhe häufig nicht gegeben. „Sie sind mit Besorgungen beschäftigt, besuchen Freunde und Verwandte. Und Silvester wird geknallt“, sagt Nagler. In dieser Zeit komme das Haustier oft zu kurz und werde unnötigem Stress ausgesetzt.
Nagler kritisiert, dass verantwortungslose Halter ihre Hunde, Katzen und kleineren Tiere vermehren ließen und diese Jungtiere anschließend verkaufen oder verschenken würden, ohne dass sich die neuen Besitzer über die Bedürfnisse der Tiere im Klaren seien oder aufgeklärt würden. Mit ihrem Team achtet sie deshalb sehr darauf, dass sich der künftige Besitzer seiner Verantwortung bewusst ist und sich vernünftig mit dem Tier beschäftigen kann.
„Viele Menschen wissen gar nicht, was ein Tier wirklich braucht“, sagt die Tierheimleiterin. Verständnis könne sie dafür nur schwer aufbringen, „denn es gibt doch fast alle wichtigen Informationen bereits kostenlos im Internet.“
Wie umfangreich diese Bedürfnisse sein können, zeige das Beispiel der Meerschweinchen. „Diese Tiere sind sehr intelligent und benötigen mehr Auslauf als nur einen Käfig“, sagt Nagler. Neben einer ausreichenden Beschäftigungsvielfalt für den kleinen Nager – idealerweise in einem Raum –, spielen auch Sauberkeit und die Nahrung eine Rolle. „Das richtige Grünfutter ist für das Wohlbefinden der geselligen Tiere sehr wichtig“, sagt Nagler. Dabei ist sie sich sehr wohl bewusst, dass nur wenige Menschen über eine entsprechend große Wohnung verfügten. „Einige Tiere wie Kaninchen können auch im Freien gehalten werden“, fügt sie deshalb an.
Wer sich wirklich interessiere, könne sich im Tierheim schon Mal mit dem künftigen Haustier vertraut machen, so Nagler. „Als Geschenk unter dem Christbaum darf dann gerne das Zubehör liegen“, sagt sie. Das neue Haustier sollte dann aber erst nach den Feiertagen in die Familie geholt werden.
