Langer dankbarer Beifall erklang für beeindruckendes Konzert
Salzgitter-Bad Bach-Kantaten erklangen in St. Mariae-Jakobi
Ein Weihnachtskonzert ohne Trompetengeschmetter, ohne jauchzende Jubelchöre und Orgelgebraus – geht das überhaupt? Nein, natürlich nicht. Und das gilt auch für das festliche Kantatenkonzert in St. Mariae-Jakobi in Salzgitter-Bad. Aber das, was Propsteikantor Christoph Bosse mit einem großartigen Barockensemble zum Jahresabschluss einstudiert hatte, unterschied sich doch in wesentlichen Punkten vom Gewohnten.
Zu Beginn mit der Kantate „Mache dich auf, werde licht“ eine Begegnung mit einem eher unbekannten Bach. Und siehe da, der entfernte Verwandte des großen Johann Sebastian, Johann Ludwig Bach (1677-1731) überrascht mit bildkräftiger Tonsprache, intensiver Ausdeutung des geistlichen Wortes. Statt polyphoner Kunstfertigkeit dominiert musizierende Verkündigung.
Starke Kontraste sollen die Gemeinde rühren. Bach geht da manchmal fast zu plakativ vor, doch die kindlich naive Freude wie in der Bass-Arie zu Beginn, die von einer Vision der Finsternis unterbrochen wird, rührt auch heute noch in ihrer überzeugenden Gläubigkeit. Und Bachs Gewissheit über die Erlösung kommt auch glanzvoll daher, mit einem prächtigen Choral, den die Kantorei an St. Mariae-Jakobi mit sängerischer Emphase schwungvoll präsentiert. Ganz ohne den Übervater Bach geht‘s dann doch nicht. Bosse hat aber mit der Kantate „Nun kommt der Heiden Heiland“ Überraschendes und vor allem Anspruchsvolles zu bieten, insbesondere beim mit kunstvoller Mehrstimmigkeit einsetzenden Eingangschorsatz.
Da gelingt die Abstimmung zwischen Orchester und Kantorei noch nicht ganz perfekt. Dann der Auftritt der Solisten. Bach hat für die Männerstimmen zwei Bravourarien geschrieben. André Khamasmie brilliert mit strahlendem Tenor, biegsam und leuchtend, und Bass Michael Humann beeindruckt in der koloraturgesättigten rhythmusdurchpulsten Arie „Streite, siege, starker Held“ mit seinem warmen, in allen Lagen präsenten Bass. Als Kontrast schreibt Bach ein inniges Duett für Frauenstimmen. Dorothee Wohlgemuth verbindet ihren kultiviert geführten, auch in der Höhe zarten Sopran mit dem anmutigen, in allen Lagen ausbalancierten Alt von Claudia Darius zu einer anrührenden harmonischen Einheit.
Von der ist auch die Missa brevis „Ein Kindelein so löbelich“ geprägt. Hier erweist sich der Chor als souveräner Gestalter der Telemann’schen Farb- und Stimmungswechsel. Auch das von chromatischen Gängen durchsetzte Stimmgeflecht des Chorals in Bachs fröhlicher Kantate „Gottlob! Nun geht das Jahr zu Ende“ gelingt in stimmschöner Transparenz. Und als wunderbar berührender Ausklang einmal nicht Bläserglanz und Paukenschlag. Da singen erst Alt und Tenor in seltener Bach’scher Volkstümlichkeit den Dank für Gottes Segen im alten Jahr und dann als Höhepunkt der Chor mit der schlichten Bitte: „Gib uns ein friedsam Jahre, für allem Leid bewahre, und nähr uns mildiglich!“ Langer dankbarer Beifall der rund 160 Zuhörer.
