Richter Ulrich Pohl ein letztes Mal in „seinem Saal“
Peine Am Landgericht Hildesheim geht eine Ära zu Ende – Richter Ulrich Pohl, der im Landkreis Peine wohnt, geht Ende Januar in den Ruhestand.
Mit einem Lächeln im Gesicht ging Richter Ulrich Pohl gestern Morgen in den Schwurgerichtssaal 134 des Landgerichts Hildesheim. In „seinem“ Saal verhandelte er zum letzten Mal als Vorsitzender der 1. Großen Strafkammer. Ende Januar geht der im Landkreis Peine wohnende Richter in den Ruhestand.
„Mit Richter Pohls Verabschiedung geht eine Ära zu Ende“, sagt Oberstaatsanwalt Bernd Seemann. Über 20 Jahre stand Pohl einer großen Strafkammer vor. Schwierige Strafverfahren, wie der als „Internetmord“ bekannte Fall der getöteten Melanie aus Peine oder das Ilseder Familiendrama, leitet er.
Nie ließ er auch nur einen Hauch von Zweifel aufkommen, wer die Verhandlung leitet. „Es soll Kollegen geben, die froh waren, wenn sie nicht bei Richter Pohl landeten“, sagt Verteidiger Michael Hoppe aus Braunschweig. „Ich schätze seine Art der Verhandlungsführung und halte seine Urteile für fair“, fügt er hinzu.
Richter Pohl ist bekannt für seine spitzen, bisweilen sarkastischen Bemerkungen im Gerichtssaal.
In Justizkreisen genießt er jedoch einen guten Ruf. Erst vor kurzem wurde er als niedersächsischer Vertreter als Sachverständiger zum Bundesverfassungsgericht geschickt. Oberstaatsanwalt Seemann charakterisiert Richter Pohl folgendermaßen: „Er arbeitet mit äußerst hoher Qualität, ist bienenfleißig, unmissverständlich in seiner Ausdrucksweise und als Jurist herausragend“. Was Pohl unter Qualität versteht, spürte der Oberstaatsanwalt an diesem letzten Verhandlungstag. Richter Pohl wies ihn darauf hin, dass er wohl in seinem Plädoyer in den Zeilen verrutscht sei und korrigierte einige Zahlen.
Pohls Nachfolge tritt Richter Peter Peschka an - er war lange Jahre Pohls Beisitzer.


