„Moby Dick“ – ein betroffenes Publikum in Peine
Peine Ein betroffenes Publikum am Ende der Aufführung von „Moby Dick“ in den Peiner Festälen. Es gab lebhaften Beifall für die Schauspieler.
Einen Roman, noch dazu einen Bestseller, auf die Bühne zu bringen, ist ein schwieriges Unterfangen. Wie es gelingen kann, war am Dienstagabend in den Festsälen zu erleben. Das Theater des Ostens führte Herman Melvilles Romanvorlage „Moby Dick“ in der Theaterfassung von Vera Oelschlegel auf. „Der Ensemble-Gedanke war uns wichtiger als das Star-Theater“, hat Vera Oelschlegel immer betont. Davon konnten sich die Zuschauer in den gut besuchten, aber nicht ausverkauften Festsälen überzeugen.
An der Aufführung wirkten neun Darsteller mit, von denen einige mehrere Rollen zu spielen hatten. Alle bewiesen, welche umfängliche Ausbildung sie durchlaufen haben. Jeder sprach laut und deutlich. Jeder zeigte, dass er auch tanzen und singen kann. Und unverkennbar war, dass Vera Oelschlegel als anerkannte Brecht-Interpretin vom politischen Theater geprägt ist. In ihrer Theaterfassung macht sie deutlich, dass „Moby Dick“ nicht nur ein Roman über die Abenteuer verwegener Männer ist, sondern auch moralische Ansprüche stellt.
So wird in „Moby Dick“ aufgezeigt, welche Folgen es hat, wenn sich Menschen Diktatoren oder gar einem wahnsinnigen Führer unterwerfen. Denn Ahab, der Kapitän des Walfänger-Schiffs „Pequod“, ruft seiner Besatzung zu: „Ich stehe für Euer Leben, Männer“ – und führt sie doch alle (bis auf den Matrosen Ismael) in den Tod. Denn der Kapitän ist besessen davon, den weißen Potwal „Moby Dick“, der ihm ein Bein abgerissen hat, zu töten. Oliver Trautwein spielt den Kapitän sehr glaubwürdig, ohne zur Karikatur zu werden. Mit vernarbtem Gesicht und Gipsbein stapft er über die Bühne und überzeugt auch, als er Schwäche zeigt und sagt: „Meine Seele ist verdorrt.“
Seinen Widersacher spielt Matti Wien ebenso beeindruckend. In der Rolle des Ersten Maats Starbuck macht er dem Kapitän klar: „Ein Tier ist eine Gotteskreatur. Es hat ein Recht zu leben wie Sie.“ Dann fordert er den Kapitän auf: „Geben Sie den Befehl Heimatkurs.“ Doch auch Starbuck kann die Katastrophe nicht verhindern.
Das sichtlich betroffene Publikum zollte im Stadttheater zunächst zaghaften, dann lebhaften Beifall.

