Lucas (22) aus Lahstedt rettet seinen „genetischen Zwilling“
Peine Tausende ließen sich für den kleinen Lukas typisieren. Auch durch diese Aktion konnten „genetische Zwillinge“ für andere Schwerkranke gefunden werden.
Rund 1850 Menschen ließen sich im April vorigen Jahres auf der Suche nach einem passenden Knochenmarkspender für den kleinen Lukas aus Peine typisieren und als potenzielle Stammzellspender bei der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren. Während Lukas selbst zurzeit die Spende nicht braucht, wurden bereits drei „genetische Zwillinge“ für andere Schwerkranke gefunden werden.
Einer dieser „Zwillinge“ ist Lucas Henning, 22 aus Lahstedt. Er spendete seine Stammzellen an eine an Blutkrebs erkrankte Frau aus Deutschland. „Ich hätte nie gedacht, wie einfach es ist, einem Menschen eine zweite Chance auf Leben zu ermöglichen“, sagt der junge Mann, der zurzeit Wirtschaftsinformatik studiert.
Zufällig habe er damals von der Aktion in Peine erfahren. „Freunde von mir hatten in der Zeitung davon gelesen und spontan beschlossen, sich registrieren zu lassen. Mich haben sie einfach mitgenommen“, sagt er schmunzelnd. Und fügt ernst hinzu: Er sei mit dem Thema „Knochenmarkspende“ vertraut gewesen, da sein Opa ein Jahr zuvor an Leukämie gestorben war. „Klar war ich sofort bereit mitzumachen“. Drei Monate später bekam der Lahstedter von der DKMS die Nachricht, dass er wahrscheinlich als Spender für jemanden in Frage komme. Lukas Henning gesteht: „Niemals hatte ich damit gerechnet – und dann auch noch so schnell.“ Im ersten Moment habe er sich „richtig gefreut“. Im zweiten sei ihm dann doch ein wenig mulmig geworden – „ich fragte mich, was wohl auf mich zukommen würde.“ Dann sei er erst mal in den Urlaub gefahren.
Kurz danach kam die endgültige Bestätigung. „Dann ging alles sehr schnell“, sagt der Lahstedter. Nach einer umfassenden Voruntersuchung in der Entnahmeklinik in Köln habe er ein Medikament mitbekommen, das er sich fünf Tage lang unter die Haut spritzen musste. Bettina Steinbauer von der DKMS erklärt: „Dieser körpereigene hormonähnliche Stoff, der vom Körper etwa auch bei fieberhaften Infekten produziert wird, stimuliert die Produktion der Stammzellen und bewirkt, dass sich vermehrt Stammzellen im fließenden Blut befinden. Diese können dann über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt werden.“
Der Lahstedter durfte seine Freundin zur Entnahme mitnehmen. „Wir wurden in einem tollen Hotel untergebracht und wurden mit einem spitzenmäßigen Abendessen verwöhnt“, schwärmt er fast ein bisschen. „Und während der Spende durften wir uns mit zwei weiteren Spendern in meinem Alter Filme aussuchen, so dass die vier Stunden wie im Flug vergingen.“
Erst im Nachhinein erfuhr der 22-Jährige, dass er für eine 26-Jährige gespendet hat. Mehr weiß er noch nicht über die Empfängerin seiner Stammzellen, da eine Spende in den ersten zwei Jahren anonym bleiben muss. Dann aber dürfen beide Kontakt miteinander aufnehmen. „Ich hätte nie gedacht, wie einfach es ist, einem Menschen eine zweite Chance auf Leben zu schenken. Und ich hoffe sehr, dass ,meine Patientin‘ jetzt noch ein langes schönes Leben vor sich hat.“
