Die Wellen als Therapie – schöne Stunden am Meer
Peine Wer war nicht schon einmal am Meer und hat das Rauschen genossen? Die Indianer berichten heute von ihren Erlebnissen und Erinnerungen an die Küste.
Die Seele reinigen
Von Elina Göhrmann
Das Meer hinterlässt seine Spuren schon seit Jahren. Jedes Jahr im Sommer fahre ich einmal ans Meer, und jedes Mal kommen einzigartige Erinnerungen hinzu, auch wenn es meistens sogar derselbe Strandabschnitt ist – denn irgendwie ist das Wasser niemals dasselbe. Ich glaube, dass das Wasser nie zweimal an ein und derselben Küste ist oder gar an ein und demselben Platz. Und genau dieser Gedanke macht das Meer für mich noch viel spannender, viel einzigartiger.
Oft muss ich nur die Augen schließen, um wieder am Strand zu liegen. Spüre die Sonne auf meinem Rücken, denke an Wasserschlachten in Klamotten mit meinem Bruder. Wenn ich Fotos anschaue, insbesondere von meiner Italienreise mit meiner besten Freundin, ist das Rauschen des Meeres in meinem Kopf, wie eine wunderschöne Untermalung, und jede Erinnerung zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht. Es tut gut, am Meer zu sein. Als ob das Rauschen und der Anblick die Seele reinigen könnten. Und ich würde am liebsten immer und immer wieder ans Meer fahren, doch tue es aus verschiedenen Gründen nicht. Vielleicht auch ein wenig aus Angst davor, dass mein kleines Wunder alltäglich werden könnte.
Das gleiche Motiv
Von Fabian Weber
Unser Meer war schon immer die Ostsee. Meist sind wir in die Nähe von Travemünde gereist. Wenn wir vereist sind, dann immer mit meinen Großeltern. Ich erinnere mich an das erste Foto während unseres ersten Urlaubes – meine Großmutter und ich posierten vor einer Kaimauer. Ich war damals noch ganz klein. Ich stand neben meiner Oma auf einer Bank, damit wir ungefähr die gleiche Größe erreichten. Drei Jahre später das gleiche Motiv, nur, dass ich größentechnisch dieses Mal auch ohne Bank problemlos mit ihr mithalten konnte. Wieder einige Jahre später kam das nächste Bild hinzu, die bislang letzte Aufnahme: Und ich war bereits größer als meine Großmutter. Früher waren mir die Fotos peinlich, doch irgendwie gehören sie doch dazu. Alle Bilder hängen bei meinen Großeltern im Wohnzimmer, so dass ich und jeder andere sie jederzeit sehen können. Jetzt sind wieder Ferien – ich finde, eine gute Gelegenheit für ein neues Bild!
Mehr als ein Bilderbuchparadies
Von Catharina Schmidt
Es ist kalt, sehr windig. Das Meer ist unberechenbar. Unter dem grauen Himmel fahren große Frachtschiffe. Windräder drehen am Horizont ihre Kreise. Es ist kein Paradies mit Sonne, Sandstrand und hellblauem Meer. Nein. Dunkle Wolken bringen Regen, der Sand ist matschig und das Meer erreicht in dunkelblauen und rauen Wellen die Küste. Es ist kein Bilderbuchparadies, aber es ist unser Paradies. Ich weiß noch, wie wir verbotenerweise „nur zu zweit“ im Dorf unterwegs waren und wie wir durch den einzigen Wald auf der Insel spaziert sind. Wie wir früh morgens joggen gehen wollten und dann doch nur wieder ins Bett gefallen sind. Wie wir nachts zum Strand gegangen sind und uns vom Rauschen des Meeres haben berieseln lassen. Wie wir am Strand Muscheln als Andenken gesammelt haben. Das war mein bislang letztes Mal in unserem kleinen Paradies. Ob ich es jemals wiedersehe?
Quallen, matschiger Sand, Algen – und noch mehr
Von Jonas Haubenreißer
Zwei Wochen kannten wir uns. Doch es war Freundschaft fürs Leben. Wie oft waren wir nachts an den Strand gegangen, wie oft lauschten wir dem Rauschen der Wellen und dem Knirschen des Holzsteges? Quallen, matschiger Sand, Algen ... eigentlich ist das Meer gar nicht so toll, wenn ich darüber nachdenke. Nur bei diesem Gedanken vernachlässige ich die Menschen dort!
Jedes Jahr lerne ich am und im Wasser nette Leute kennen, immer wieder tolle neue Freunde. Was wäre das Meer ohne die Menschen dort? Dann blieben die Quallen, Algen und Sand. Nicht nur die Sonne, das Schwimmen im erfrischenden Wasser, das Ballspielen auf den Sandbänken und das Festklammern an der Boje weit weg vom Alltag fehlen mir, wenn ich mal nicht ans Meer fahre. Auch die Freunde und netten Menschen, die leider nicht in der Nähe wohnen. Deshalb schweißt mich jedes Jahr an der Ostsee fester an sie. Für mich sind Wasser und Menschen ein großes Ganzes, einfach unzertrennlich.
Dem Wasser so nah
Von Ana Jasinski
Eiskalt bläst der Wind mir ins Gesicht und lässt meine Haare wild umherfliegen. Eingemummelt in meine Winterjacke sehe ich auf die Ostsee. Der Geruch von Fischbrötchen und warmen Crêpes steigt mir in die Nase. Nur eine halbe Stunde mit der Bahn ist der Warnemünder Strand von meinem neuen Heim im Herzen Rostocks entfernt. Dem Meer so nah war ich bislang immer nur in den Urlauben, jetzt wohne ich um die Ecke. Die salzige Luft füllt meine Lungen. Kalt und wild wirkt die See, die durch den Wind aufgepeitscht wird. Die Wellen spülen immer wieder kleine Muscheln an den Strand. Ein kleines Kind läuft durch den Sand und vergräbt seine Finger darin, während die goldene Sonne sich dem Horizont nähert und den Himmel in rotes Licht taucht. Ich hebe einen der herumliegenden Steine auf und betrachte ihn, bevor ich ihn in die Tasche stecke. Als Erinnerung, so oft wie möglich hierher zu kommen, werde ich ihn zu Hause auf meinen Schreibtisch legen. Wie schön das Meer nicht nur im Sommer zum Baden ist, sondern auch in der kalten Jahreszeit!
Meine Gedanken schwimmen weit hinaus
Von Yasemin Rittgerott
Das Wasser kitzelt leicht meine Zehenspitzen, dann umspielt es sanft meine Knöchel. Kühl umgibt es mich, so erfrischend kühl. Die leichten Wogen umhüllen meinen Körper so sinnlich, dass ich überall eine Gänsehaut bekomme. Vielleicht ist es aber auch nur von der frischen Nässe auf meiner heißen Haut. Ich könnte Stunden so verbringen – treibend im blauen Riesen.
Das Meer bringt mich immer viel weiter vom Strand weg, als es eigentlich scheint. Meine Gedanken schwimmen so weit hinaus, bis sie vollkommen frei sind. Ich spüre diese Größe, die mich manchmal mit ihrer scheinbaren Unendlichkeit überwältigt. Ich tauche, bis ich den Druck deutlich auf meinen Ohren spüren kann. Sobald ich dann nach Luft schnappend wieder auftauche, weiß ich, dass das Meer wirklich so riesig ist. Und meine Gedanken weiten und weiten sich.
Wenn ich später dann langsam aus dem Wasser schreite und die salzigen Tropfen von meiner Haut abperlen, weiß ich, dass ich noch viel länger etwas von diesem Bad haben werde als von eben diesen so schnell verdampfenden Tropfen...
Auszeit von all dem Lärm
Von Svenja Schoen
Sie steht mit einem Bein am Abgrund der totalen Selbstzerstörung. Die Frage nach dem Sinn: Wer ist sie überhaupt? Wohin will sie? Zu viele Gedanken in einem Raum mit viel zu vollgepackten Kartons. Alles um sie herum scheint zu wackeln und droht einzustürzen. Deswegen fährt sie Richtung Norden. Für eine Auszeit von all dem Lärm und dem Stress in ihrem Inneren. Hier draußen ist sie allein mit ihrem Irrsinn und dem Rauschen des Meeres. Kann in Ruhe nachdenken oder alles vergessen.
(Ja,) wie gerne würde sie jetzt vergessen. Sich einfach ins Meer fallenlassen, den Kopf unter Wasser tauchen. Stumm schreien. Den Kopf zum Abschalten zwingen. Doch das Wasser ist viel zu kalt zu dieser Jahreszeit, sie würde sich erkälten. Also sitzt sie einfach nur da. Minuten, Stunden – wer weiß das schon? Ihr Zeitgefühl hat sie längst verloren. Sie sitzt einfach nur da, sucht Schutz und Halt in den Dünen. Das Meer war schon immer ein Wunder für sie. Sie konnte sich zwar nicht erklären, wieso, aber immer wieder linderte es ihren Schmerz. Es beruhigte sie und zeigte ihr selbst wieder, wer sie war und auch, wohin sie wollte. Auch dieses Mal ist es so – sie machte sich schließlich wieder auf den Weg zurück in die Wirklichkeit. Die Sonne hinter ihr ging langsam unter.
Die gestrandete Meerjungfrau
Von Anja Köneke
Langsam und träge gleiten meine Arme durch das lauwarme Wasser. Mühsam versuche ich, nicht in Panik zu verfallen. Es beginnt zu dämmern. Ich bin zu weit hinausgeschwommen. Der weiße Sandstrand ist nur ein dünner angedeuteter Strich am Horizont. Meine Arme machen einen Zug nach dem anderen. Ich habe diesen unverkennbar salzigen Meeresgeschmack im Mund und ekle mich davor. Im Schwimmen war ich nie besonders gut, trotzdem liebe ich es. Mit jedem Zug nähere ich mich dem Ufer. Hoffnung breitet sich in meinem Inneren aus und gibt mir die Kraft, schneller zu schwimmen. Der Strand ist in Sichtweite. Doch wo sind die Palmen abgeblieben? Waren dort nicht Liegestühle? Verwundert schüttele ich den Kopf. Das Wetter hat sich verändert. Es ist kälter geworden. Große Wellen steigen auf und brechen wieder ein. Ich kann schon wieder im Wasser stehen. Verwirrt blicke ich mich um. Wo waren meine Handtücher nur geblieben? Die ersten Zweifel kommen. Wo war ich nur? War dies überhaupt mein Strand? Verloren steige ich aus dem Wasser. Mein Körper zittert vor Kälte. Unsicher gehe ich ein paar Schritte am Strand entlang und schaute mir meine neue Umgebung an. Würde ich nicht bald meine Kleidung wiederfinden, würde ich womöglich noch erfrieren. Ängstlich blicke ich auf das Meer hinaus. Frierend laufe ich weiter. Doch nichts kommt mir bekannt vor. Es wird immer dunkler. Ich schließe die Augen und höre dem Rauschen des Meeres zu. Unsanft merke ich, wie meine Haut anfängt, zu kribbeln und zu jucken. Ich sehe herunter und stelle schockiert fest, dass sich Schuppen auf meinen Beinen bilden. Am liebsten würde ich schreien, doch meine Kehle ist wie zugeschnürt. Ein pochender Schmerz durchzuckt die untere Hälfte meines Körpers. Dort wo meine Beine waren, bildet sich eine gewaltige purpurschimmernde Flosse. Ich kann nicht länger aufrecht stehen und rutsche zurück ins Wasser.
Wie in Trance
Von Marie Leunig
Es ist dunkel geworden. Nur der Mond und die Sterne scheinen so hell und sind so klar zu erkennen wie nur selten. Ich laufe den Weg zum Meer, den ich schon so oft gelaufen bin. Selbst wenn ich erblinden würde, diesen Weg würde ich immer gehen können. Du folgst mir einfach. Der Wind pfeift. Hinter den Dünen entdecke ich das Meer. Endlich bin ich wieder hier – mit dir.
Der Sand knirscht unter meinen Schuhen, und das Meer glitzert – erhellt von dem Leuchtturm der Nachbarinsel. Die erfrischende Meeresbrise, oh, wie sehr sie mir doch gefehlt hat. Das Rauschen der Wellen gibt mir das Gefühl von Freiheit und versetzt mich in Trance. Den Wellen lauschend gehe ich am Strand entlang. Ich möchte hier gar nicht mehr weg. Nie mehr! Hier vergesse ich die Zeit und kann mich richtig wohl fühlen. Ein gutes Stück haben wir schon hinter uns, also setzen wir uns in den Sand. Auf dem Meer sehe ich zwei Schiffe, die beleuchtet sind. Die Kombination aus Dunkelheit und vielen kleinen Lichtern ist einfach der Wahnsinn. Es ist schön, diesen Moment mit einer geliebten Person teilen zu können. Das Meer verbindet einen schon auf seine eigene Art und Weise. Wenn bei einer so sternenklaren Nacht noch eine Sternschnuppe hinzu kommt, ist der Abend perfekt.
Verliebt in eine Insel
Von Lara Kuschmann
Meinen ersten kleinen Trip hier in den USA habe ich nach Anna Maria Island gemacht. Das ist eine kleine Insel vor der Westküste Floridas am Golf von Mexiko. So eine wunderschöne Insel habe ich wirklich noch nie zuvor gesehen. Es gibt weiße Sandstrände, die menschenleer und naturbelassen sind. Beim Schwimmen im Meer kann man Delfine sehen. Das Wasser ist klar, total warm und scheint nahezu türkisblau zu sein. Die Häuser auf der Insel sind ganz klein und bunt.
Wir haben uns Fahrräder geliehen und die komplette Insel erkundet. Ich habe mich in diese paradiesische Insel verliebt. Es ist wie im Traum: Mit dem Fahrrad während des Sonnenuntergangs am Meer entlang fahren, am Pier mit Blick aufs Meer leckeren Fisch essen, in Ruhe am menschenleeren Strand entspannen und gar nicht wieder aus dem Wasser herauswollen, weil es so schön ist …



