Die Kraft der Glücksbringer – Aberglaube oder nicht?
Peine Die Indianer haben unterschiedliche Ansichten – einige der Schreiber glauben fest an die Kraft, andere meinen, das Glück selbst in der Hand zu haben.
Herzseite
Von Elina Göhrmann
Zwei Armbänder, eine Funktion: Ich besitze zwei Glücksbringer, einen trage ich nur, wenn ich wirklich auf das Glück hoffe. Es besteht aus einem selbstgeflochtenen Band mit einem Skarabäusstein, den mir mein Cousin aus Ägypten mitgebracht hat. Bei Klassenarbeiten und auch bei anderen Prüfungen leistet es meistens gute Dinge und auch, wenn es mal nicht so gelaufen ist, glaube ich daran. Jeder hat schließlich mal einen schlechten Tag, auch mal ein Glücksbringer.
Das zweite Armband habe ich mir selbst gekauft und dabei an die Menschen gedacht, die ich liebe und nicht häufig sehen kann. Denn diese geben mir immer Kraft und Mut. Ich trage es Tag und Nacht um mein linkes Handgelenk, weil auf der linken Seite auch das Herz liegt. Ich fühle mich immer unwohl, wenn ich es zwischendurch doch für Sporteinheiten abnehmen muss. Und jedes Mal, wenn ich dieses schlichte Armband sehe, denke ich an all‘ meine Liebsten und fühle, dass sie stets bei mir sind. Deswegen bringt es mir Glück im Alltag, weil man – ohne Liebe und Freundschaft bei sich zu haben – nicht weit kommt. Warum es gerade diese Armbänder sind, weiß ich nicht – ich weiß nur, dass ich sie nicht mehr missen möchte.
Mein Blick auf die Karte ...
Von Catharina Schmidt
Meine Hände sind schwitzig. Ich bin nervös. Aber das ist wohl angesichts des Prüfers im hinteren Teil des Fahrschulautos normal. Ich versuche mich auf den Straßenverkehr zu konzentrieren, während mein Fahrlehrer ausgelassen mit dem Prüfer quatscht. Meine Mutter hatte mir vorher noch viel Glück gewünscht und mir eine Karte von Sheepworld geschenkt, die den Namen „Hosentaschen-Glücksbringer“ trägt. Darauf hat meine ganze Familie unterschrieben. Ich muss lächeln, als mein Blick auf die Karte, die auf dem Armaturenbrett liegt, fällt. Ich glaube nicht wirklich daran, dass sie mir Glück bringt. Aber ich bin glücklich darüber, dass meine Familie mir die Daumen drückt – und das ist doch schon so etwas wie Glück, wenn man glücklich ist. Ich finde, dafür muss man nicht auf etwas vertrauen, das es vielleicht nicht gibt. Für mich ist das Glück nicht etwas, was man jemandem wünscht. Für mich besteht das Glück aus meiner Familie, meinen Freunden und dem Geschenk, leben zu dürfen. Daher nehme ich es selbst in die Hand und arbeite daran, dass ich glücklich bin. Ich habe für meine Prüfung gelernt und weiß, dass ich es schaffen kann! Wenn ich bestehe, dann weiß ich, dass ich mir mein persönliches Glück wirklich verdient habe.
Der kleine Stein
Von Svenja Schoen
Ich drehe den kleinen marmorierten Stein in meiner Hand hin und her. Vor mir liegt der See, an dem ich ihn vor fünf Jahren gefunden habe, als ich mit dir hier war. Er hat mich seit jeher begleitet. Als das mit uns losging. Als ich nicht wusste, was passieren würde, als ich gelacht und geweint habe. Ich konnte mich immer darauf verlassen, dass er mich begleiten würde. Ich glaubte fest, er würde mir Glück bringen.
Doch irgendwann geriet der kleine Stein immer mehr in Vergessenheit. Ich vergaß ihn und beachtete ihn nicht mehr. Trat ihn mit Füßen vor mir her. Machte ihn dafür verantwortlich, wenn etwas mal nicht rund lief in meinem Leben. Irgendwann erkannte ich, dass seine Kraft einfach erschöpft sein musste. Ich hatte ihn nicht genug gewürdigt – und er verlor nach und nach einfach seine Bedeutung. Nun war der Zeitpunkt gekommen, an dem der kleine Stein zu seinem Ursprung zurückkehren musste. Und für mich war der Zeitpunkt gekommen, loszulassen.
Es ist nur noch ein kleiner Stein, sage ich mir und werfe ihn ins Wasser. Er titscht noch einmal auf, bevor er mit einem Platschen im Wasser verschwindet und auf den Grund des Sees sinkt.
Ich brauche dich nicht mehr. Ich bin jetzt selbst für mein Glück verantwortlich.
Keine Katastrophe
Von Anja Köneke
Hektisch renne ich durch mein Zimmer. Ich hebe meine Bettdecke hoch und schaue auf meinem Schreibtisch nach. Doch meinen Glücksbringer kann ich nirgends entdecken. Ich durchwühle meine Sporttasche, aber auch dort ist er nicht. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich wieder einmal viel zu spät dran bin und nicht mehr länger nach meinem Armband suchen kann.
Mit einem unguten Gefühl gehe ich aus dem Haus und fahre zur Schule. Auf dem Weg dorthin muss ich immer wieder auf mein linkes Handgelenk schauen. Normalerweise trage ich dort ein silbernes Armband, das mir meine Patentante zusammen mit einem goldenen Herzanhänger vor fünf Jahren zu meiner Konfirmation geschenkt hat. Doch wo ist es bloß? Daran, dass ich es vielleicht verloren habe, wage ich gar nicht erst zu denken.
Ich habe dieses Armband nun schon so lange. Wenn es wirklich weg wäre, dann wäre das eine Katastrophe für mich: Die vielen Erinnerungen, die an diesem Armband hängen sind einfach unbezahlbar. Als mich der Schaffner im Zug nach meinem Ticket fragt, ziehe ich es völlig gedankenverloren aus meiner Jackentasche und höre, wie etwas auf dem Boden aufschlägt. Ich schaue nach unten und sehe, wie der Mann mein Armband greift und es mir mit den Worten „Ich glaube, dass gehört Ihnen“ in die Hand drückt. Überschwänglich bedanke ich mich. Ich atme tief durch und bin für einen Moment unheimlich glücklich und zutiefst entspannt. Ich schaue mir mein Armband genau an und streife es dann über mein Handgelenk. Nach einigen Jahren hat es leider einige Gebrauchsspuren bekommen. Ich habe zwar keine Beweise dafür, dass mir dieses Armband wirklich schon einmal Glück gebracht hat, aber solange ich mich wohler fühle, wenn ich es trage, hat es seinen Zweck voll und ganz erfüllt!
Lieber Rumkugel und rosa Rosen
Von Tassia Weimann
Sie ist ihr eigener Glücksbringer. An einem Punkt in ihrem Leben hat sie aufgehört, sich auf Dinge zu verlassen. Geld über die Schulter in einen Brunnen zu werfen hat sie genauso glücklich gemacht, wie für fünf Euro Glücksklee zu kaufen – nämlich gar nicht. Nun ist sie ihr eigener Herr. Pächter über das Glück. Ein kleiner Schornsteinfeger ohne den ganzen Ruß im Gesicht. Für sie ist Glück eher glücklich zu sein. Nicht als ein dauerhafter Zustand, sondern eher in kleinen Momenten. Wenn sie einen Euro auf der Straße findet, auch wenn sie dadurch sicherlich nicht reich wird. Aber für eine Rumkugel, die sie so gerne isst, reicht es. Oder wenn ihre Nachbarin ihr rosa Rosen aus ihrem Garten bringt, weil diese weiß, wie gerne sie die hat. Sie erfreut sich an den kleinen Dingen im Leben und jagt nicht mehr dem Lottogewinn hinterher, der sie vermutlich eh nie richtig glücklich machen würde. Und das Glück kommt von ganz alleine, es schleicht sich von hinten an und pustet ihr nur ganz leicht ins Ohr. Doch sie spürt es, dreht sich um und kann es in die Arme schließen. Jeden Tag aufs Neue.
Kleine Botschaften mit großer Wirkung
Von Anna Hoyer
An diesem Samstag brütet mein Kopf wie nie zuvor, ich konzentriere mich nur auf die Aufgaben, die vor mir liegen: Wissenschaft und Verantwortung, Textanalyse, 10 Punkte zu den Physikern. Mit diesen Dingen werde ich mich also noch die nächsten sechs Stunden intensiv und hoffentlich erfolgreich beschäftigen. Nachdem ich den Text unzählige Male gelesen, in den schönsten Farben markiert und viele Randnotizen gemacht habe, entscheide ich mich für eine kurze Pause. Ich lehne mich zurück, atme einmal tief durch und versuche mich zu entspannen, naja, soweit man in dieser Situation entspannt sein kann. In meiner Brotdose finde ich einen grünen Apfel, den Mama für mich geschnitten hat. Nachdem ich ein paar Spalten gegessen habe, stoße ich auf einen kleinen grünen Zettel. „Viel Erfolg“. Schnell schaue ich auch in die anderen Brotdosen. In jeder Dose befindet sich ein kleiner Zettel mit einer lieben Botschaft wie „Du schaffst das schon“. Ich muss schmunzeln, meine Mutter hat mir all die lieben Zettelchen laminiert in meine Brotdosen gelegt.
Nach dieser kleinen Aufmunterung beginnt das große Schreiben wieder. Sechs langen Stunden. Später gebe ich meine Klausur ab, packe alle Brotdosen in meine Tasche und freue mich noch einmal über die kleinen Botschaften, die mir vielleicht Glück gebracht haben – und dann ist es geschafft, das schriftliche Abitur. Als ich einige Zeit später bei der Notenbekanntgabe begriff, dass ich das Abitur bestanden habe, dachte ich noch einmal an die kleinen Zettelchen zurück. Ich freute mich, dass meine kleinen Glücksbringer ihren Zweck wohl voll erfüllt hatten.
Einzigartige Erinnerungen
Von Fabian Weber
Ich besitze weder ein Hufeisen noch ein Kleeblatt, weil meine Familie nicht an das herbeigerufene Glück glaubt. Ich habe nie einen Glücksbringer bekommen oder auch nur so was in der Art gebraucht. Aber ich habe so was Ähnliches wie einen Glücksbringer: Ich habe ein Cap, mein „Tanz-Cap“. Dazu muss ich sagen, ich bin kein Freund von Mützen, sie passen nicht zu mir. Ich habe wirklich nur dieses eine Cap. Es bedeutet mir sehr viel, weil ich es aus Schottland habe – es ist einzigartig und hat einen sehr großen Wiedererkennungswert, was dieses Cap zu meinem Markenzeichen als Tänzer gemacht hat. Es ist mir vertraut. In dieser Mütze stecken so viele Erinnerungen, sie gehört zu mir.
Wenn ich das Cap bei einem Auftritt nicht dabei habe, fühle ich mich unsicher, denn irgendwie fehlt da etwas – und meistens mache ich genau dann einen Fehler. Ich kann also sagen: Ich habe mir selbst einen „Glücksbringer“ gemacht.
