Wenn der Organist ohne Schuhe über die Pedale tänzelt
Gadenstedt Einen umjubelten Auftritt hatte am Donnerstagabend das Lothar-Krist-Trio in der Alten Stellmacherei in Gadenstedt.
Jutta Reuting kündigte in ihrer Begrüßungsansprache an, was die Zuhörer zu erwarten haben: „Mit Schwung und Elan raus aus dem alten Jahr.“ Nach dem zweistündigen Konzert in Gadenstedt stellten die Besucher anerkennend fest: Die Hausherrin hatte nicht zu viel versprochen.
Die Alte Stellmacherei, deren Betreiberin Jutta Reuting ist, war am Donnerstagabend zum Jazz-Keller geworden. Das Trio „Lothar Krist B 3“ spielte mitreißende Musik der 50er und 60er Jahre unterschiedlicher Stilrichtungen: Bebop, Soul, Blues, Funk und Swing.
Lothar Krist, Arrangeur, Komponist, Leiter der Hannover Big Band, ist auch Leader des Trios, das jetzt erneut in Gadenstedt gastierte. Der 61-jährige Wolfsburger spielte in der Alten Stellmacherei auf einem handgefertigten Alt-Saxofon aus dem Jahre 1954, zwischendurch auf einer Querflöte, sang einige Titel und führte mit kulturhistorischen Erläuterungen durchs Programm.
Ein Beispiel: Den Titel „I mean you“ von Thelonious Monk (1917 bis 1982), einem der bedeutendsten Vertreter des Modern Jazz, kündigte Krist so an: „Das ist Musik, die swingt wie die Hölle.“ Was zu beweisen war: Krist, der die Klappen seines Instruments mit traumwandlerischer Sicherheit drückt, spielte die schnellen Läufe dieses Stücks wie der Teufel.
Dann als Gegenstück der Titel „Summertime“ aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“. Lothar Krist sang das Lied mit angenehm weicher Stimme, dezent begleitet von René Rooimans an der Hammond-Orgel und Timo Warnecke, der mit den Jazzbesen auf der kleinen Trommel rührte.
„B 3“ heißt die historisch wertvolle Hammond-Orgel, 1934 erstmals von Laurens Hammond gebaut. Deren Töne werden elektromechanisch erzeugt. Dieses Instrument kann nur von einem technisch versierten und zudem feinfühligen Organisten gespielt werden.
So einer ist der Niederländer Rooimans. Zu Beginn des Konzerts zog er seine Schuhe aus, um dann in Strümpfen wie ein Ballett-Tänzer mit dem linken Fuß über die insgesamt 25 Basspedale zu tänzeln.
Timo Warnecke rackerte am Schlagzeug, hielt das Tempo gleichmäßig hoch, bis schließlich die Handgelenke schmerzten, und wurde für seine Soli umjubelt.
Das Publikum, das viel Beifall gezollt hatte, erhielt als Zugabe „Can’t buy me love“ von den Beatles.



