Eltern-Kind-Beziehung – unsichtbares Band fördert Bildung
Peine Ab Sommer gilt der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren. Was viele aufatmen lässt, bereitet Dr. Karin Grossmann Sorge.
Die pensionierte Psychologin Dr. Karin Grossmann aus Regensburg fürchtet „Quantität statt Qualität in der Krippenerziehung“. Im voll besetzten Peiner Gemeindehaus an der Eichendorffstraße referierte sie jetzt vor Erzieherinnen und Erziehern aus der Region über die Bedeutung von Bindungen zu Bezugspersonen im frühkindlichen Alter.
„Bindung ist ein unsichtbares Band, das zwei Menschen so intensiv miteinander verbindet, dass sie sich vermissen, wenn sie getrennt sind“, erklärt Grossmann. Schon nach der Geburt entwickeln Kinder diese Bindung zu ihren Eltern: „Wenn sie aufgebracht oder hungrig sind, Schmerzen haben, dann kommen in der Regel Mutter, Vater oder eine andere Bezugsperson, um es zu wärmen, zu füttern oder zu trösten.“
Das merke sich das Kind – und fordere diese Unterstützung in Momenten der Unsicherheit gezielt ein. Ob beim Bauklötzebauen, später beim Lesenlernen oder dem ersten Liebeskummer – „wenn ein Kind weiß, dass es Trost und Hilfe bekommt, wenn es sie braucht, dann traut es sich auch Neues anzupacken und sich Herausforderungen im Alltag zu stellen“, sagt die Psychologin.
Das bedeute aber auch: „Kinder, die keine Bezugsperson haben, derzuliebe es sich lohnt, sich anzustrengen, verlieren die Motivation, Wissen anzunehmen, lernen zu wollen.“ Die Angst davor, neue Aufgaben zu meistern sei bei diesen Kindern größer als bei solchen, die wissen, dass sie auf die Unterstützung einer Bezugsperson zählen können. „Sie geben schneller auf, damit steigt auch die Frustration.“
Bildungsdefizite, mangelndes Vertrauen in sich selbst: Probleme, die die Regensburger Psychologin zunehmend auch auf Krippenkinder zukommen sieht. „Es soll immer mehr Krippenplätze geben. Aber wenn eine Erzieherin mit acht Kleinkindern zusammen ist, dann hat sie nicht die Zeit und die Präsenz, jedem einzelnen gerecht zu werden.“
Umso wichtiger sei es deshalb, Erzieher in Krippen künftig speziell für den Umgang mit Kleinkindern auszubilden – denn bislang sei das oftmals nicht der Fall, weiß die Psychologin. Sie fordert zudem: „Eine Erzieherin sollte höchstens drei Kinder unter drei Jahren betreuen!“
