Und plötzlich ist die kindliche Vorfreude wieder da
Eickenrode Alte Traditionen wahren, neue schaffen: Zwei junge Mütter wünschen sich, dass das erste Weihnachtsfest mit ihren kleinen Töchtern unvergesslich wird.
So sehr wie in diesem Jahr haben sich Romy Edler (30) und Marie-Charlotte Herwig (36) seit Kindertagen nicht mehr auf Weihnachten gefreut. Für die jungen Frauen wird es ein ganz besonderes Fest: Zum ersten Mal feiern sie Weihnachten als Mütter, gemeinsam mit ihren acht Monate alten Töchtern Juli und Helena.
„Die Vorfreude ist größer als in den Jahren zuvor“, sagt Romy Edler und ihre Freundin nickt. Sie erlebe die Vorweihnachtszeit mit ihrer Tochter viel intensiver: „An den Adventssonntagen haben mein Mann und ich uns mit der Kleinen hingesetzt, Kerzen angezündet und Weihnachtslieder gehört“, erzählt Marie-Charlotte Herwig. „Früher kam immer etwas dazwischen, aber mit Helena nehmen wir uns einfach die Zeit.“
Zeit, bewusst anzuhalten, die festliche Stimmung mit den Töchtern zu genießen – das weckt bei den Müttern auch Erinnerungen an die eigene Kindheit: Das schier endlose Warten, die steigende Aufregung auf die Bescherung am Heiligen Abend. „Am Nachmittag sind wir jedes Jahr in die Kirche gegangen, danach musste ich in mein Zimmer. Wenn aus dem Wohnzimmer das Glöckchen klingelte, dann hieß es endlich: ,Das Christkind ist da!‘“, erinnert sich Marie-Charlotte Herwig mit glänzenden Augen an das Weihnachten ihrer Kindheit. Mystisch, ja magisch sei es gewesen – und genau so solle sich auch Tochter Helena eines Tages daran erinnern.
Zu Familie Edler kommt in diesem Jahr nicht das Christkind, sondern der Weihnachtsmann – auch wenn sie kurze Zeit mit sich gehadert habe, ob sie ihrer Tochter den Mythos vom Mann mit dem weißen Rauschbart wirklich glaubhaft machen solle, sagt Romy Edler: „Ich finde es nicht schön, mein Kind anzulügen. Aber der Weihnachtsmann macht ja auch den Weihnachtszauber aus.“ Auch sie selbst habe als Kind an ihn geglaubt, ihn früher aber immer nur in die Häuser der anderen Kinder gehen sehen. „Früher habe ich den Weihnachtsmann zum Anfassen sehr vermisst“, sagt die 30-Jährige.
Ob Christkind oder Weihnachtsmann – noch werden die gerade einmal acht Monate alten Mädchen nicht verstehen, warum ihre älteren Cousins und Cousinen Heiligabend mit leuchtenden Augen entgegenfiebern. Doch wenn Helena und Juli alt genug sind, dann wollen ihre Mütter den Mädchen vor allem auch eines mitgeben: „Es geht nicht nur um Geschenke, sondern um den Gedanken von Weihnachten, die biblische Weihnachtsgeschichte“, das ist Marie-Charlotte Herwig wichtig.
Weihnachten, das sei die Zeit der Besinnlichkeit und Ruhe. Zeit, die beide Frauen seit Kindertagen mit ihrer Familie verbringen. Daran soll sich auch in diesem Jahr nichts ändern – bis auf eine Kleinigkeit: „Früher sind wir an Weihnachten zu unseren Eltern gefahren, jetzt kommt die Familie zu uns.“ Denn mit einem Mal sind beide nicht mehr nur Kind, sondern selbst Mütter. „Für das, was sich ändert, ist etwas neues da“, sagt Marie-Charlotte Herwig.
Letztlich ist Weihnachten eben nicht nur die Zeit, alte Traditionen zu wahren. Es ist auch die Zeit, neue zu schaffen.


