„Ein Schutzmann mit Leib und Seele, den Schalk im Nacken“
Edemissen Hans-Jörg Iffarth hat gestern mit 62 Jahren seinen Dienst bei der Polizei Edemissen beendet. Er war Spezialist für LKW-Kontrolle.
Eigentlich hätte seine Verabschiedung um 10 Uhr stattfinden sollen. Aber Hans-Jörg Iffarth, der gestern als Oberkommissar in Edemissen aus dem Dienst entlassen wurde, drehte bis zum letzten Tag voll auf: 7.30 Uhr Abschied, um danach einen Gerichtsprozess verfolgen zu können, bei dem er zuvor als Zeuge ausgesagt hatte. Iffarth sei eben ein „Überzeugungstäter“, sagt Hans-Jürgen Schober, Leiter der Polizeistation Edemissen. Er sei „mit Leib und Seele Schutzmann“.
Das Finale seines beruflichen Werdegangs habe man ihm nicht angemerkt, sagt Schober. Er sei stets engagiert gewesen. Seine Dienstzeit bei der Polizei habe er sogar um acht Monate verlängert. Für einen Polizisten ende der Dienst mit 62 Jahren, sagt Thomas Bodendiek. Demnach hätte Hans-Jörg Iffarth am 20. April dieses Jahres verabschiedet werden können. Bodendiek sagt: „Ein Antrag auf Verlängerung ist nicht üblich. Das zeigt, wie gerne er seine Arbeit gemacht hat.“
Und mit Humor. „Iffarth hat den Schalk im Nacken“, sagt Bodendiek. Viele Scherze habe er sich erlaubt und charmant die Kollegen vorgeführt. Wie zu dieser Gelegenheit: Früher habe es im Winter grüne Mützen gegeben, erzählt Bodendiek. Iffarth habe junge Kollegen losgeschickt, um weiße Überzüge dafür zu besorgen – die es natürlich nicht gab. „Die Kollegen sind mit Betttüchern wieder gekommen.“ Diese kleinen Scherze, sagt auch Schober, hätten stets den Alltag aufgelockert.
Am 2. April 1984 hat der gebürtige Quedlinburger bei der Polizei in Braunschweig angefangen. Damals hatte er schon zwei Karrieren hinter sich. 1966 ließ er sich zunächst zum Maschinenbauer ausbilden, legte 1969 die Gesellenprüfung ab. Einige Monate später ging es als Zeitsoldat zur Bundeswehr, bis er dann zur Polizei wechselte. Bodendiek sagt: „Diese Zeit bei der Bundeswehr hat ihn geprägt.“ Er sei im Dienst sehr korrekt und eifrig gewesen. „Es ist beeindruckend: Er bekam eine internationale Beurteilung der Alliierten Streitkräfte Europa Mitte. Damals war er Senior Policeman.“ Diese Jahre sind ihm später für die Polizei-Dienstzeit angerechnet worden.
Nach einer Zeit in Peine, im Einsatz- und Streifendienst in Vechelde kam Iffarth im Jahr 2000 dann nach Edemissen. Und er fand sein Spezialgebiet: die LKW-Kontrolle. „In diesem Feld war er absoluter Spezialist, er hat viele Lehrgänge zu diesem Thema besucht.“ Und so war neben den Kollegen und Werner Drieschner von der Gemeinde Edemissen auch Heinke Muuß, Leiterin des Veterinäramts des Landkreises, bei der Verabschiedung gestern dabei. Denn Iffarth hatte auch mit Tiertransporten zu tun.
Schober sagt: „Im Bereich Schwerlastverkehr wird es eine Lücke in unser Team reißen.“ Ob ein andere Kollege das abdecke, müsse abgewartet werden. Dazu sei viel Know-how erforderlich. Dementsprechend müsste sich eine Person durch Schulungen weiterqualifizieren. Die Stelle von Iffarth wird aber neu besetzt. Im Januar folgt Polizeikommissar Uwe Möbius auf Hans-Jörg Iffarth.
Dessen Engagement wird mit dem Polizeidienst keineswegs enden. Iffarth wird sich wie in rund 25 Jahren zuvor für den Verband Christlicher Pfadfinder in seinem Heimatort Wipshausen einsetzen. Schober: „Er hat sich immer stark für die Jugendarbeit gemacht. Für April und Juli sind schon zwei Pfadfinderlager geplant, bei denen er dabei sein wird.“

