Der Falter-Krimi von Wipshausen
Wipshausen Naturforscher Harro Henke hat einen Schmetterling im Biotop Wipshausen entdeckt, an deren Artbestimmung deutschlandweit Esperten beteiligt waren.
Es war ein kurzer Auftritt, aber ein beeindruckender. Am 28. Juni dieses Jahres ließ sich im Biotop Wipshausen ein Schmetterling auf einer Blume nieder. Harro Henke, Naturforscher und Experte für Schmetterlinge, hatte diesen Falter im Biotop zuvor noch nie gesehen. Es musste ein seltenes Exemplar sein.
Zehn Wissenschaftler arbeiteten deutschlandweit an der Bestimmung der Art. Ihre Grundlage: Ein Foto, das Harro Henke aus der Ferne aufnehmen konnte. Vergrößert ist es auf dieser Seite zu sehen.
Henke wollte das Tier damals auch aus der Nähe ablichten, um eine bessere Grundlage für die Forschung zu haben. „Ich pirschte mich ran, bis auf 15 Zentimeter“, sagt Henke. Doch als er den Auslöser der Kamera drückte, flog der Falter fort. Auch in den folgenden Wochen konnte Henke den Schmetterling nicht mehr vor die Linse bekommen. „Es war kein Falter-Wetter mehr.“
Die Meinungen unter den Experten zur Art des Falters gingen auseinander. Die erste Vermutung: Es sei ein Roter Scheckenfalter, in Niedersachsen ist er längst ausgestorben. „Ich habe die ganze Prominenz der Falter-Experten in Deutschland befragt – unabhängig voneinander.“ Nach und nach stellte sich die Tendenz zum Wegerich-Scheckenfalter ein. Er ist vom Aussterben bedroht. Die letzte Meldung von diesem Falter für den Landkreis Peine habe es um 1950 gegeben, sagt Henke. Seit dem Jahr 2000 sei in Niedersachsen 19 Mal ein solcher Falter gemeldet worden.
Die Frage, um welchen Schmetterling es sich nun handelt, sei schwer zu klären gewesen. Die „kriminalistische Untersuchungsphase“ begann, wie Henke es nennt. Der Wegerich-Scheckenfalter und der Rote Scheckenfalter seien identisch, bis auf die Submarginalbinde, einem Streifen auf dem Flügel des Falters. Dieser konnte nicht eindeutig einer Art zugeordnet werden. „Der Rote Scheckenfalter gilt als variabelster Falter Deutschlands.“ Für ihn sprach, dass es in Wipshausen die mehlige Königskerze gibt, Nahrungsquelle für den Roten Scheckenfalter.
Letztlich stellten die Experten aber fest, dass ein Punkt auf der Submarginalbinde nur dem Wegerich-Scheckenfalter zuzuordnen ist. Die erste Vermutung wurde verworfen. Nun muss Henke abwarten. Im Mai will er wieder nach dem Schmetterling Ausschau halten – um die Art des vom Aussterben bedrohten Falters bestätigen zu können.

