Psychologe klärt auf über die Tücken des Weihnachtsfestes
Helmstedt Weihnachten kann so schön sein. Und wird für manche dennoch zum emotionalen Desaster. Ein Psychologe aus Königslutter erklärt, warum das so ist.
„Klinische Studien, die belegen, dass es gerade zur Weihnachtszeit am häufigsten kracht, gibt es allerdings nicht“, räumt der Psychologe Dimitrios Fasoulis mit einem Vorurteil auf. Der Allgemeintherapeut ist am Awo-Psychiatriezentrum in Königslutter beschäftigt. Aus seiner Praxis heraus könne er sagen, dass die Menschen an Feiertagen wie Weihnachten sehr hohe Erwartungen an sich selbst und an andere stellen würden. Fasoulis nennt sie „romantische Erwartungen“, weil Erwachsene oft versuchten, das „perfekte Fest“ aus ihren Kindheits-Erinnerungen wiederzubeleben. Werden diese Vorstellungen nicht erfüllt, sei das ein Nährboden für Frustration und am Ende für Streit.
Bereits die Vorbereitungen für Weihnachten gingen einher mit jeder Menge Stress. „Die Leute sagen sich: Es muss klappen, es muss schön sein. Und setzen sich damit unter Druck. In solch einer Situation ist man weniger gewappnet für Kritik“, beschreibt der Psychologe. Und gerade am Tag der Tage entlade sich das oft in Form von Streit. Ein kleiner Anlass genügt dafür.
Für Verunsicherung sorge zudem, dass Paare oder Familien zu Weihnachten aus ihrer alltäglichen Situation herausgenommen seien. Das gelte vor allem für Familienverbünde, wenn Verwandte zu Gast seien, die man länger nicht gesehen habe.
Die Erklärungen, warum es gerade an Weihnachten nicht harmonisch zugeht, seien vielschichtig. Eine ganz wichtige nennt Fasoulis noch: „Ganz einfach, die Leute haben viel Zeit, kritische Themen zu besprechen, zu denen sie im Alltag nicht kommen.“
