Lehre will bei Fusion Selbstverwaltung nicht aufgeben
Lehre „Ich bin nicht angetreten, um die Gemeinde Lehre abzuwickeln.“
Diese Aussage ist deutlich – auch wenn sich Klaus Westphal, Verwaltungschef in der Nordkreisgemeinde, in Sachen Fusion des Landkreises Helmstedt und der Stadt Wolfsburg nicht viel genauer in die Karten gucken lassen möchte.
Aber: „Was mich stört, ist die Aussage des Landrates Matthias Wunderling-Weilbier, dass die Fusion alternativlos ist. Dann muss man doch zumindest mal sagen, was die Alternativen sind, die nicht umsetzbar sind. Was ist denn probiert worden? Nur wenn das auch mal öffentlich erklärt wird, kann man auch die Bürger mit ins Boot holen. Diese – nach Ansicht des Landrates – Alternativlosigkeit ist es, die mich überrascht hat.“
Klar ist: Die Gemeinde Lehre liegt mitten im Spannungsfeld der beiden Zentren Braunschweig und Wolfsburg. Mit Helmstedt hat die Menschen in Lehre noch nie viel verbunden. Zum Einkaufen fahren sie nach Wolfsburg oder Braunschweig, viele Jugendliche gehen dort auch in die weiterführenden Schulen. Für die meisten geht es also am Ende tatsächlich um die Frage: Wolfsburg oder lieber Braunschweig?
„Oberste Priorität hat für mich die Selbstständigkeit der Gemeinde Lehre. Wenn das nicht geht, muss man darüber nachdenken, welche unserer Ortschaften zu wem geht“, sagt Hans-Joachim Gottschlich, Chef der Gruppe SPD/Grüne im Gemeinderat Lehre. Aber auch die von Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann vorgeschlagene Großregion ist nach Ansicht von Gottschlich durchaus eine Alternative. Und ihm deutlich lieber, als in einer riesigen kreisfreien Stadt Wolfsburg aufzugehen. „Der Landkreis Helmstedt als Teil der Stadt Wolfsburg?! Das wäre für mich die letzte Alternative“, betont Gottschlich.
Warum Wolfsburg die Fusion wolle, ist aus Sicht des Sozialdemokraten klar: „Wir bringen ja eine ganze Menge mit ein. Entwicklungsflächen, Bauland und unsere Gewerbegebiete bringen langsam Erträge. Aus meiner Sicht ist die Autobahn die magische Grenze. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wolfsburger im Südkreis von Helmstedt groß investieren wollen.“
Um die Eigenständigkeit und den Erhalt der kommunalen Selbstverwaltung geht es auch Burkhard Beese, Gruppenchef der CDU/FDP und CDU-Kreistagsmitglied. „Ein Landkreis mit Wolfsburg wäre in Ordnung. Alle Städte und Gemeinden des Kreises künftig als Ortsteile einer kreisfreien Stadt Wolfsburg? Das ist nicht darstellbar“, betont Beese, der zudem Wendhausener Ortsbürgermeister ist.
Mitgenommen fühlt sich Beese bei den Fusionsplanungen keinesfalls. „Da haben zwei Männer hinter verschlossenen Türen verhandelt. Keiner weiß richtig, was Sache ist“, wettert er. Und: Er fühle sich – ebenso wie viele seiner Kollegen im Kreis- und Gemeinderat – unter Druck gesetzt. Auch die Linie, die der Landrat in Sachen Kreishaushalt 2013 fahre, zielt aus seiner Sicht darauf ab, Druck aufzubauen: „Der Landrat macht keine Vorschläge, versucht, das Ding an die Wand zu fahren, um zu zeigen: Es gibt keine Alternative.“
Könnte die Gemeinde Lehre eigenständig bleiben, könnten sich Beese und Gottschlich durchaus vorstellen, dass es eine Mehrheit für eine Fusion mit Wolfsburg gäbe. Sollte der Landkreis jedoch künftig Teil der Stadt Wolfsburg sein, sieht das aus Sicht der beiden deutlich anders aus. Dann würde nach Beeses Einschätzung die Mehrheit eher in Richtung Braunschweig tendieren.



