Erst Rohrbrüche verraten die Problemleitungen
Lehre Eine geplatzte Wasserleitung hat kürzlich in Flechtorf für Aufregung gesorgt. Warum solche Brüche immer wieder vorkommen, erklären die WWL-Experten.
Wo genau die problematischen Rohre verlegt wurden – das weiß beim Wasserverband Weddel-Lehre (WWL) niemand genau. Klar ist nur: Es gibt sie noch, die Asbestzement-Trinkwasserleitungen (AZ) eines bestimmten Herstellers, die vor Jahrzehnten verlegt wurden. „Nach und nach entdecken wir diese Leitungen durch die Brüche“, erklärt Ralf Johannes, Leiter Trinkwasserversorgung beim WWL.
Auch in Flechtorf war eine alte Asbestzement-Leitung geborsten. „Bei diesen Leitungen eines bestimmten Herstellers liegt das Problem im Material. Bei Druckschwankungen brechen die dann richtig auf“, erläutert Lutz Tietz, Geschäftsführer des WWL.
Die alten Leitungen aus Grauguss und eben jene aus Asbestzement zu erneuern – an dieser Aufgabe arbeite der WWL seit den 80er-Jahren kontinuierlich. Bis zu acht Kilometer der alten Leitungen werden so im Jahr durch neue Polyethylen-Leitungen (PE) ersetzt.
Im Gegensatz zu den AZ-Leitungen liegt die Problematik bei den alten Gussleitungen in einem anderen Bereich. Rost setzt ihnen zu. „In den 80er-Jahren wurde von hartem Grundwasser auf weiches Harzwasser umgestellt“, blickt Tietz zurück. Dieses weichere Wasser enthalte deutlich mehr Sauerstoff und führe so zu Korrosion im Rohr.
Habe es vor 25 Jahren noch bis zu vier Rohrbrüche in der Woche im Netz des WWL gegeben, habe sich diese Anzahl inzwischen deutlich verringert. Das sei auch der Tatsache zu verdanken, dass technische Weiterentwicklungen große Druckschwankungen reduziert hätten. Rund 1,5 Millionen Euro investiere der WWL im Jahr in die Erneuerung maroder Trinkwasserleitungen, im nächsten Jahr sollen rund 4 Kilometer erneuert werden. Mehr sei angesichts der vielen Neubaugebiete, die im Verbandsgebiet erschlossen würden, nicht möglich. Allein in Lehre seien fünf Neubaugebiete geplant.
Erneuert würden die alten Leitungen übrigens möglichst, ohne den darüber liegenden Bereich aufzureißen. Das neue Polyethylen-Rohr wird dann, so erklärt Johannes, in das alte Rohr gelegt. Bei der „offenen Bauweise“ wird das Trinkwasserrohr dagegen freigelegt und ersetzt. Das koste rund 260 Euro je Meter. „Die geschlossene Bauweise kostet die Hälfte“, sagt Johannes.
„Es muss eine kontinuierliche Erneuerung des Netzes stattfinden“, betont Tietz und fügt hinzu: „Erneuern wir durchschnittlich sechs Leitungskilometer im Jahr, ist das 1 Prozent unseres Netzes. Dann brauchen wir 100 Jahre, um das Netz einmal auszuwechseln.“ Die Haltbarkeit der alten Leitungen aus Grauguss und Asbestzement war übrigens mit 50 bis 60 Jahren angenommen. Gehalten haben sie zum Teil nicht einmal 40 Jahre.



