Notlandung in Phuket – Reisedrama in Thailand
Königslutter Was geschah auf dem Flug AB 7425 von Phuket nach Abu Dhabi wirklich? Ein Ehepaar aus Königslutter berichtet, wie es die Notlandung erlebt hat.
Es sollte ein Traumurlaub werden, als Andrea und Eckhard Bürig für die Zeit vor Weihnachten eine Fernreise nach Thailand gebucht hatten. Das Ehepaar aus Königslutter wollte damit den 50. Geburtstag der Gattin begehen. Dass der Rückflug am 20. Dezember den Grund dafür liefern würde, dass beide ihren zweiten Geburtstag feiern, sollte das Paar bald erfahren. Die Rückreise wurde zum Albtraum.
Die Meldung in den Nachrichten lautete kurz und knapp: „Ein Airbus A 330 der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin ist nach einem Zwischenfall an Bord auf der thailändischen Ferieninsel Phuket notgelandet. Alle 249 Passagiere seien wohlauf und konnten das Flugzeug regulär über Treppen verlassen, teilte eine Sprecherin der Fluglinie mit. Berichte über einen Triebwerksbrand könne das Unternehmen nicht bestätigen.“
In den Schilderungen des Ehepaars kommt zwölf Tage später eine dramatische Version ans Licht: „Ich hatte mich von meinem Mann bereits verabschiedet. Ich hielt mich ganz fest an seinem Arm und sagte ihm, dass ich ihn liebe. Dann war Stille.“
Was die Fluggäste aus Königslutter und alle anderen geschockt hatte, war ein dumpfer Knall auf der linken Seite des Flugzeugs. Die Maschine war erst eine halbe Stunde in der Luft. Andrea Bürig beschreibt die folgenden Minuten so: „Das ganze Flugzeug hat stark gewackelt, von der linken Seite war kein Turbinengeräusch mehr zu hören, das Flugzeug geriet ins Trudeln. Die Stewardess riss die Augen auf, das Kinn fiel ihr runter, und sie rannte nach hinten. Wenige Sekunden später heulte die rechte Turbine auf. Das ganze Flugzeug fing an zu knacken und zu knarren. Man hatte das Gefühl, gleich fliegt das Flugzeug auseinander; alle Flugbegleiter wurden nach vorn zitiert. Nach einigen Minuten eilten die Flugbegleiter wieder zurück und setzten sich auf ihre Plätze.“
Eine Weile später soll der Flugkapitän folgende Durchsage gemacht haben: „Wie Sie sicherlich schon gemerkt haben, haben wir ein Triebwerk verloren. Die Lage ist ernst. Wir müssen jetzt unsere Checkliste abarbeiten und melden uns später. Bitte bewahren Sie Ruhe.“
Auf den Bildschirmen sahen die Fluggäste, dass das Flugzeug wieder zurück auf dem Weg nach Phuket war. Es folgten nervöse Flugmanöver: „Nach einer endlos erscheinenden Zeit mit unruhiger Lage flog das Flugzeug eine Kurve über Phuket, es ging etwas runter, dann wieder etwas rauf, und nach mehrerem Hin und Her wurde die Landung eingeleitet. Bei der Landung gab es wieder dumpfe Knallgeräusche“, berichten die Bürigs. Dann wurden die Passagiere durch die harte Vollbremsung in die Vordersitze gepresst.
Der Pilot meldete sich in der Erinnerung der Fluggäste mit diesen Worten: „Wir hatten einen Triebwerksausfall und zwei Hydraulikprobleme. Bei der Landung sind die Reifen geplatzt – aufgrund unseres hohen Gewichtes. Den Geruch, den Sie wahrnehmen, kommt von den Reifen. Die Feuerwehr hat die Reifen aber schon gelöscht. Es ist alles unter Kontrolle.“ Aufbrandender Jubel, dann „Totenstille“, ehe eine kreischende Frau diese gespenstische Ruhe durchbricht.
„Als wir das Flugzeug verließen, haben wir mehrere Feuerwehrautos und Krankenwagen gesehen. Die Feuerwehr war immer noch damit beschäftigt, die brennenden Reifen zu löschen, um das Flugzeug war ein großer Schaumteppich. Es herrschte Chaos“, sagen die Eheleute.
Das Durcheinander nahm vorerst kein Ende. Im Flughafengebäude mussten die geschockten Reisegäste mehrere Stunden warten. Von Air Berlin habe es keinerlei Information gegeben. „Jeder erhielt eine Flasche Wasser, mehr nicht“, berichtet Andrea Bürig. Die Odyssee setzte sich in einem anderthalb Stunden entfernten Ausweichquartier fort, in das einige der „gestrandeten“ Urlauber gebracht wurden. Erst am nächsten Mittag habe es vom Hotelpersonal die Ansage gegeben: „Wahrscheinlich Flug am nächsten Tag!“ Getränke gab es nur zum Essen – alles andere wurde vom Hotel in bar verlangt, auch die Telefongebühren.
Am 22. Dezember startete für die Bürigs die Maschine nach Hause, wie geplant über Abu Dhabi. Auch an diesen Flug erinnert sich die Frau nur ungern, denn: „Ich bekam einen Sitz weit getrennt von meinem Mann zugeteilt.“ Nach einer weiteren Übernachtung im arabischen Emirat erreichten die Urlauber Berlin-Tegel.
Dem Piloten, der die Notlandung in Phuket erfolgreich vollführt hat, sind Andrea und Eckhard Bürig unendlich dankbar. Der Fluglinie nicht. Das Angebot, als Entschädigung Bonusmeilen in Anspruch zu nehmen, wollen sie ausschlagen. Über finanziellen Ausgleich wird noch verhandelt. Soviel aber steht fest: Die nächste Reise werden die Königslutteraner ganz bestimmt nicht im Flugzeug antreten.
Das sagt Air-Berlin: Die Klärung der Ursachen für den „Vorfall“ in Phuket am 20. Dezember habe laut einer Sprecherin von Air Berlin höchste Priorität. Zu einem professionellen Vorgehen mit einer sauberen Abarbeitung gehöre es, keine Spekulationen über die Ursache oder den Hergang zu machen, bevor diese nicht vollständig bestätigt und gesichert seien.
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt Air Berlin dazu folgende Informationen: Der Airbus A 330 konnte in Phuket sicher landen, alle Passagiere sind wohlauf und konnten das Flugzeug regulär über Treppen verlassen. Die Besatzung berichtete über keine Steuerungsprobleme. Ein Triebwerksbrand kann nicht bestätigt werden. Die Feuerwarnanlage des Triebwerks wurde nicht aktiviert.
Weiter heißt es in der Antwortmail an die Redaktion: „Dass die Gäste, die sich bei Ihnen gemeldet haben, enttäuscht waren, bedauert Air Berlin sehr.“ Selbstverständlich werde man allen Gästen eine Ausgleichszahlung zukommen lassen.
Das sagen Flugsicherheitsexperten: Die Notlandung eines Airbus A 330 der Fluglinie Air Berlin im thailändischen Phuket verlief laut Spiegel online weitaus dramatischer als bislang bekannt. Bei dem Triebwerkschaden handelte es sich nach Berichten von Flugsicherheitsexperten um einen „uncontained engine failure“: Im Triebwerk lösen sich Teile und werden aus dem Aggregat geschleudert, Ursache können ein Feuer oder eine Explosion sein.
Dies hatte laut den Berichten zur Folge, dass in der Maschine zwei der drei Hydraulikkreisläufe beschädigt wurden. Das austretende Hydrauliköl soll sich entzündet haben. Der Flugcomputer schaltete daraufhin automatisch in einen Modus, in dem der Pilot den Airbus ohne Computerhilfe steuern muss. Bei der Landung funktionierte aufgrund der zerstörten Hydrauliksysteme das Anti-Blockier-System nicht.
Ein Triebwerkschaden dieser Art sei äußerst selten, er komme nur etwa einmal pro zehn Millionen Flügen vor.



