Politiker blieben Gifhorner Schülern Lösungen schuldig
Gifhorn Zweimal stimmten Gifhorner Schüler gestern ab, wem sie bei der Landtagswahl ihre Stimme geben würden. Vor und nach der Diskussion mit Politikern.
Rund 300 Schüler der Berufsbildenden Schulen II hatten gestern Gelegenheit, fünf Landtagskandidaten bei einer Podiumsdiskussion in der Aula 90 Minuten lang mit Fragen zu löchern. Rundschau-Redakteur Reiner Silberstein moderierte die Veranstaltung.
Der Einladung waren Detlef Tanke (SPD), Horst Schiesgeries (CDU), Nicole Wockenfuß (Bündnis 90/Grüne), Horst Rienitz (FDP) und Marion Köllner (Linke) gefolgt.
Mit prickelndem Mineralwasser stießen CDU-Horst und FDP-Horst gut gelaunt auf das „Du“ an. Danach war es mit der Gemütlichkeit vorbei. Die Schüler hatten kritische Fragen vorbereitet, die es reihum zu beantworten galt.
Bei den Fragen zur Energiewende waren sich alle Kandidaten nur im Grundsatz einig. „Wir Grüne setzen auf einen Energie-Mix mit schnellerem Ausstieg aus der Atomenergie“, sagte Wockenfuß. Tanke schoss gegen Bayern wegen des schleppenden Ausbaus von Windenergie. Rienitz und Schiesgeries widersprachen. „Wir müssen die Anlagen dort bauen, wo Wind ist. Bayern setzt mehr auf Sonnenenergie“, erklärte Rienitz. Auch bei der Atommülllagerung in Gorleben und in der Asse herrschte im Prinzip Einigkeit. „Die Asse war ein Fehler“, räumte Schiesgeries ein. Moderator Silberstein hakte nach, weil trotz vieler Worte kein Lösungsvorschlag auf den Tisch kam. „Es gibt keine gute Lösung“, so Wockenfuß.
Als es um Bildung und regionale Belange ging, wurden die Schüler lebhafter. „Warum Oberschulen und keine IGS?“ Auf diese Frage blieb Schiesgeries die Antwort schuldig. Tanke versprach, dass es bei einem Regierungswechsel vierzügige Gesamtschulen geben werde. Das soll aber nicht auf Kosten der Gymnasien gehen. „Das, was Eltern wollen, wird es in der Schullandschaft geben“, sagte er.
Mucksmäuschenstill wurde es bei der Frage nach der Finanzierbarkeit. „Das Einzige, was wir versprechen, ist die Abschaffung der Studiengebühren“, sagte Tanke. Finanzieren will er das über Erhöhung von Spitzensteuersatz, Erbschaft- und Vermögenssteuer. „Wenn man an der Steuerschraube dreht, bezahlt es am Ende der kleine Mann“, entgegnete Schiesgeries. Kritik an der SPD kam von Wilhelm Meier (22): „Wenn Sie die Studiengebühren abschaffen und den Spitzensteuersatz erhöhen, zahle ich das Geld später dreifach zurück“, hielt er Tanke vor. „Ich zahle lieber und bekomme gute Bedingungen geboten.“
Wenn gestern Wahl gewesen wäre... Die Schüler haben vor (erste Zahl) und nach der Diskussion (zweite Zahl) Wahlzettel ausgefüllt. Das Ergebnis:
CDU 37,5% 20,7%
SPD 25,4% 46,9%
FDP 5,4% 2,76%
B90/Grüne 14,2% 16,5%
Die Linke 3,8% 0,7%
Piraten 5,0% 2,8%
NPD 1,3% 1,4%
Sonstige 3,3% 1,4%

