„Merle kümmert sich so liebevoll um die Kinder“
Gifhorn Der Paulus-Kindergarten stellt eine schwerbehinderte Hauswirtschafterin ein, eine echte Team-Playerin
Für Merle Rosenberg war die Nachricht, dass sie zukünftig im Kindergarten der Paulus-Gemeinde fest angestellt ist, wie ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. „Ich bin so stolz, es geschafft zu haben!“, freute sich Rosenberg über die Entscheidung der Kirchengemeinde.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Förderschule und einer Ausbildung zur Fachpraktikerin in Hauswirtschaft führten die 30-jährige Gifhornerin mit einer Lernbehinderung und einem 80-prozentigen Grad Schwerbehinderung mehrere Praktika auch in verschiedene Kindertagesstätten.
In der Paulusgemeinde entdeckten die Verantwortlichen schnell, wo die Stärken von Merle Rosenberg liegen, erklärt Monika Thielen, die stellvertretende Leiterin der Kindertagesstätte. „Sie hat sich sofort in unser Team eingefunden“, erinnert sich Thielen.
Vor allem um die Kinder habe sich Rosenberg besonders liebevoll gekümmert. Schnell habe man sich eine langfristige Zusammenarbeit vorstellen können, so Thielen. In Gesprächen mit Doris Kuska vom Integrationsfachdienst für schwerbehinderte Menschen, Silke Klinge von der Agentur für Arbeit und dem Kirchenvorstand seien sich die Beteiligten klar geworden, „dass man eine solche Chance nicht ungenutzt lassen konnte“, wie Klinge sagt.
Aus ihrer Berufserfahrung kennt Klinge vorherrschende Klischees und Skepsis seitens der Arbeitgeber gegenüber schwerbehinderten Arbeitnehmern. Umso mehr sei der Schritt der Kirchengemeinde als Vorbild für andere Arbeitgeber anzusehen, meint Doris Kuska und lobt das „einzigartige Engagement“ Rosenbergs in ihrer ergänzenden Tätigkeit in der Kinderpflege.
Das Beispiel Rosenbergs sei „gelebte Inklusion“, wie Silke Klinge hervorhebt, und die wolle man ohne Wenn und Aber fördern, sagte Kirchenvorstand Thomas Höper. Merle Rosenberg hat sich für die Zukunft ein weiteres ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie möchte eine reguläre Ausbildung zur Kinderpflegerin absolvieren.

