Archäologen graben nach Mundburg
Müden Es soll gegraben werden bei Müden: auf der Suche nach der Mundburg, die vor 1000 Jahren am früheren Zusammenfluss von Aller und Oker zu finden war.
Eine stolze Feste wie Neuschwanstein dürfte sie nicht gewesen sein. Am Ende des ersten Jahrtausends waren Burgen wehrhaft und trutzig – aber nicht für die Ewigkeit gemacht. Das gilt auch für die Mundburg von Müden, die Bischof Bernward von Hildesheim 993 errichten ließ. Anneliese Leffler möchte nun auf Spurensuche gehen, um den Standort der Burg zu finden.
Die Gemeinde Müden unterstützt das Unternehmen mit 1500 Euro. Dafür soll eine Ausgrabungsfirma aus Veltheim in einem Flurstück des einzigen Gehöfts südlich des Ortes Müden einen Bruchschnitt über 50 Meter Länge und zwei bis drei Meter Breite ausführen.
„Die Zusage, dass wir die Fördermittel bekommen, war schon ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“, freut sich Anneliese Leffler. „Jetzt brauchen wir nur noch die Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde, denn wir möchten natürlich vor der Saatzeit loslegen. Aber ohne Erlaubnis geht das nicht.“
Doch wo war sie nun genau? Am Zusammenfluss von Aller und Oker soll sie gestanden haben – doch der lag 993 noch nicht am heutigen Ort. „Müden liegt nördlich der Aller“, beschreibt Leffler, „also ist anzunehmen, dass der Ort südlich gelegen haben muss. Die Stelle, an der wir graben wollen, hat den Flurnamen Burchwiese oder auch Burwiese. Das könnte auf die Bedeutung Burgwiese schließen lassen.“
Weitere Indizien sind für Leffler eine Luftaufnahme, die eine Düne und Flussschleife zeigt. Und eine Begehung über 1600 Meter Länge mit dem Metalldetektor, die 46 Anschläge ergab.
Es gibt aber auch skeptische Stimmen. Für Siedlungsgeologe Wolfgang Meibeyer steht fest, dass die Mundburg bei Wienhausen stand: „Man kann natürlich über alles Diskutieren, aber der Kenntnisstand spricht dafür.“ Mit der Burgstelle Wahrenholz bilde Wienhausen einen Punkt auf der Altstraße über Hohne nach Hildesheim. „Außerdem muss man sich das Gelände vorstellen wie eine wasserdurchzogene Landschaft. Bei Wienhausen war der gesicherte Allerübergang mit Okermündung. Dort würde eine Burg auch Sinn machen.“
Kreisarchäologe Andreas Wallbrecht merkt an: „Die Luftbilder weisen auf Flussstrukturen hin. Aber ich würde dort nicht graben. Verschollenes Fundmaterial aus den 50er Jahren deutete nicht auf die Mundburg hin.“ Zudem sei der geplante Suchschnitt recht klein: „Zum Vergleich: Auf dem Gelände der Biogasanlage haben wir fünfmal 100 Meter quer über das Areal gegraben. So müsste das schon ein Volltreffer sein.“ Probleme könnten sich auch durch Flurbereinigung mit Tiefpflug bis zu 1,20 Meter ergeben. Wallbrecht: „Da ist dann alles durcheinandergewühlt.“
Leffler sieht es pragmatisch: „Beweise gibt es bislang keine, nur logische Hinweise. Aber es wäre toll, wenn wir die Burg finden könnten.“ Denn die Urkunde der Ersterwähnung wurde 1013 erstellt – vor 1000 Jahren. Darüber wird Leffler in jedem Fall am plattdeutschen Abend am 26. April in Flettmar referieren. „Da wäre es doch schön, wenn es schon Neuigkeiten gäbe.“



