Laute Handytöne in Gifhorns Stadthalle ausnahmsweise erlaubt
Gifhorn „In bester Laune!“ – Das Motto des Neujahrskonzerts war Programm in der Stadthalle Gifhorn.
Das Publikum in den dicht besetzten Reihen amüsierte sich bei beschwingten Melodien aufs Beste und durfte bis zum klassischen Rausschmeißer „Radetzkymarsch“ im Schönklang schwelgen.
Mit Elan und sehr agil führte Sebastian Beckedorf am Pult das Staatsorchester Braunschweig durch das federleichte Programm, das neben Ausschnitten aus der Fülle des Werks der Familie Strauß die „silberne Zeit der Operette“ in den Mittelpunkt rückte, in der Berlin statt Wien zum Zentrum der leichteren Muse wurde und neue Rhythmen auf die Operettenbühne kamen. So durften Ekaterina Kudryavtseva und Arthur Shen zum Duett aus „Vetter aus Dingsda“ einen Tango aufs Bühnenparkett legen. Gemeinsam mit ihren Solistenkollegen Milda Tubelyté und Orhan Yildiz begeisterten sie mit Hits wie „Das Studium der Weiber ist schwer“, „Es ist so schön, am Abend Bummeln zu gehen“, „Heut geh’ ich ins Maxim“ oder „So lang noch untern Linden“.
2013 – verriet Moderator Martin Weller – wird bestimmt ein Feierjahr für Musikfreunde. Nicht nur die 200. Geburtstage von Giuseppe Verdi und Richard Wagner, den 100. Geburtstag Benjamin Brittens und das 425-jährige Bestehen des Staatsorchesters stehen an. Die Tradition der Neujahrskonzerte nimmt sich dagegen bescheiden aus: Erst seit 1940 geht es mit Musik ins neue Jahr.
Im Melodienreigen des Staatsorchesters indes gab es diesmal Unbekanntes zu erhören und zu erleben. So gaben die schwungvollen Polkas aus der Feder von Johann Strauß Sohn und Emil Waldteufel interessante Einblicke. Thema waren durchaus Militärisches oder – passen für Gifhorn – das Element „Bürgersinn“. Beides prägte das 19. Jahrhundert mit Bruderkriegen und Revolution. Johann Strauß widmete eine Komposition gar dem technischen Fortschritt: „Durchs Telephon“. Dazu waren Handytöne im Parkett ausnahmsweise erlaubt.
Die reichen Zugaben waren den prominenten Geburtstagskindern gewidmet. Ein Ausschnitt aus Wagners „Lohengrin“ gab dem Orchester noch einmal Gelegenheit zu brillieren, während das bekannte Trinklied „Libiamo ne‘ lieti calici“ aus Verdis „La Traviata“ die Solisten noch einmal in den Vordergrund rückte. Die Gifhorner umjubelten das kurzweilige Konzert mit viel Applaus. Eine Neuauflage 2014 ist Ehrensache!


