Körper, die der Schwerkraft in Gifhorn trotzen
Gifhorn Das Publikum staunt – über die Akrobaten, die an langen Stangen dem Gesetz der Schwerkraft zu trotzen scheinen.
Und beim kalkulierten Sturz immer kurz vor dem Boden stehenbleiben, Die Besucher staunen auch über die immer höher hinaufreichenden Sprünge der Turner durch enge Reifen und über die flinken Finger der Jongleure. Applaus tragen die lächelnden Akteure.
Der Chinesische Nationalzirkus machte nach längerer Pause wieder einmal Halt in der Stadthalle Gifhorn und faszinierte auch diesmal die Zuschauer in der diesmal nicht ausverkauften Stadthalle. „Feng Shui“ heißt das neue Programm, das seine Einzelnummern mit metaphorischen und in vielen Farben spielenden Projektionen verbindet. Die Botschaft heißt „Balance ist alles“.
Das trifft auf die Artisten allemal zu. Mit den langsamen Bewegungen des Kranichs zelebriert ein Ensemblemitglied seine Nummer – eine geschickte Verbindung von Handstand-Artistik und Kontorsion. Die dabei durch eine geschickte Dopplung im Schattenriss entstehenden Bilder ziehen das Publikum durch ihre fließende Ruhe in ihren Bann. Mit flinken Fingern lassen die Mädchen ihre Diabolos kreisen, auch sie scheinen die Gravitation zu bezwingen, so sicher fangen sie die kleinen, schwirrenden Spielzeuge aus der Luft. Und die drei grazilen jungen Frauen die in Pastellfarben auf kleinem Podest agieren haben scheinbar keine Wirbel, so mühelos können sie die schmalen Körper verbiegen. Das Publikum staunt und applaudiert. An die Stunden harten Trainings, die dahinter stecken, mag kaum einer einen Gedanken verlieren.
Abräumerqualitäten beweisen zwei stumme Clowns, die ohne Worte ein kleines Lehrstück zum Teilen spielen und hinterher genüsslich beweisen, dass sich richtige Männer auch gern einmal gegenseitig nass machen. Diese Nummer vereint außerdem mit seinem gegensätzlichen Künstlern die Welt Asiens und Europas. Die Lacher haben beide locker auf ihrer Seite.
Die Klammer der Show zielt ganz auf Esoterik und fernöstliche Weisheit ab. Konstantin Wecker hat eine Musik dazu geschrieben, die zwar asiatische angehaucht erscheint, die traditionelle chinesische Musik aber nicht imitiert, sondern europäisch interpretiert. Dazu spricht Wecker meditative Texte über mäandrierende Flüsse, den Glanz des Regenbogens, anmutige Mädchen und Lebensweisheiten wie „Es ist schwer, sein Ziel zu erreichen, noch schwerer, sein Ziel zu verbergen“.
Viel zu sehen, viel zu hören also. Die Zuschauer genießen diesen Abend, an dem alle Elemente so bildhaft im Einklang schwingen.

