Mama lernt Deutsch mit Kind auf dem Arm
Isenbüttel Das Modell des internationalen Gesprächskreises trägt Früchte. Nun wollen Samtgemeinde und Leiterin Anette Lühr-Karabinski das Projekt ausbauen
Aus der lockeren Runde soll ein richtiger Deutschkurs entstehen.
Wie heißt es richtig? „Pollen, der Polle?“, liest die Teilnehmerin des internationalen Gesprächskreises vor. „Nein, das O wird lang ausgesprochen“, korrigiert Anette Lühr-Karabinski. Doch bevor, ihr Gegenüber die Wörter wiederholen kann, unterbricht eine Murmel die Übung – von einem Jungen in Bewegung gesetzt rollt sie zwischen den Füßen der Kursleiterin hindurch. Alle müssen lachen.
„Viele Babys wurden dieses Jahr geboren“, sagt Lühr-Karabinski. Und im Saal der Kirchengemeinde St. Marien sind fast genauso viele Kinder wie Teilnehmerinnen. Manchmal noch mehr. Während die Kleinen spielen, trainieren ihre Mütter die deutsche Sprache – ein Gemeinschaftsprojekt von Samtgemeinde und DRK. Die Mädchen und Jungen sitzen aber auch gern mal auf dem Schoß, gehören dazu.
Eine Betreuerin, die sich um die Kinder kümmert, wenn die Vokabeln pauken – das ist Lühr-Karabinskis Idee, aber das liegt noch in weiter Ferne. Und so ist es für die Teilnehmerinnen ganz schön schwer, bei erhöhtem Lärmpegel den gesprochenen Unterschied zwischen S und ß herauszuhören.
Vorerst möchte die Leiterin, die das Projekt neben ihrer Tätigkeit als Sekretärin, als Opstapje-Hausbesucherin und Erziehungslotsin der Samtgemeinde ehrenamtlich mit Aufwandsentschädigung betreibt, das Lernen intensivieren – und zwar als richtigen Kursus. Den Namen hat sie schon: „Mama lernt Deutsch“. „Das Interesse ist da, die Teilnehmerinnen sind hochmotiviert..“
Es ist ein fließender Übergang. „Wir machen das nicht so straff“, sagt Lühr-Karabinski, „wir kochen auch noch unseren Tee dabei, handarbeiten, backen, frühstücken gemeinsam oder basteln.“ Auch bei diesen Tätigkeiten lernt man ja die Sprache des Landes. Aber künftig wolle sie den Immigranten die Sprache nicht nur nebenbei, sondern mit Ernsthaftigkeit vermitteln. „Sie sollen das Gefühl haben, das sie richtig etwas lernen.“ Dazu gehören aber auch Lernmaterialien, kopierte Arbeitsblätter und Bücher – einen nächster Schritt.
Doch diese Dinge kosten Geld, nicht jede Teilnehmerin kann das mal eben locker finanzieren. Da freute sich die Leiterin kürzlich wahnsinnig über eine Spende von 50 Euro, die die Buchkosten für die einzelnen fast halbieren.
Apropos Kosten. Manch einer fragt sich, warum die Frauen aus Isenbüttel nicht einen Kursus an der Kreisvolkshochschule besuchen. „Der wird ihnen nicht finanziert“, so Lühr-Karabinski, „weil sie schon zu lange in Deutschland leben.“ Der Anspruch darauf besteht erst seit dem Jahr 2005.
Manche Teilnehmerinnen sind dafür schon seit vier Jahren im Gesprächskreis. Sie freuen sich, sich bei Einkäufen und bei Arztbesuchen schon gut verständigen zu können. Laut Leiterin habe er den Frauen die Scheu vor Kontakten in allen Lebenslagen genommen. „Aber wir wollen noch weiterlernen“, heißt es aus der Runde.
SERVICE
Der Gesprächskreis, der in einen Deutschkursus gewandelt werden soll, trifft sich jeden Donnerstag, 9.30 bis 11 Uhr im Gemeindehaus St. Marien. Neue Teilnehmer, auch anderer Nationalitäten, sind jederzeit willkommen. Kontakt über die Samtgemeinde: (05374) 8800.

