Begeisternder „Messias“ in Gifhorner St.-Nicolai-Kirche
Gifhorn Das Halleluja aus dem „Messias“ ist ein Ohrwurm - oft gehört im Radio, in Kaufhäusern oder auf Weihnachtsmärkten als Berieselung im Hintergrund.
Am Samstagabend hingegen entfalteten sich in St. Nicolai in Gifhorn aufs Neue Größe, Würde und Eindringlichkeit des Oratoriums, dem wohl bekanntesten Werk von Georg Friedrich Händel.
Das liegt zum einen in der kraftvollen Komposition - gilt Händel heute doch als einer der überragenden Komponistenpersönlichkeiten der Barockzeit. In nur 24 Tagen schuf der 1685 in Halle an der Saale geborene im Jahr 1741 den „Messias“. Der Inhalt des dreiteiligen Oratoriums gründet sich zwar auf Bibelstellen, die zentrale Aussage ist indes von einer sehr persönlichen Religiosität geprägt. Dennoch gab es in der Entstehungszeit rege Debatten darüber, ob es sich um ein geistliches Werk oder eher um Amüsement handelt, führte Händel seinen „Messiah“ doch in Londoner Theatern auf.
Der begeisternde Erfolg des diesjährigen Weihnachtskonzerts in St. Nicolai lag zum anderen an der vorzüglichen Interpretation des Werks durch den Kreiskantor - David Menge verstand es einmal mehr, seine Kantorei, die in Gifhorn schon bekannte Hannoversche Hofkapelle sowie die Gesangssolisten bestens aufeinander einzustimmen. Menge unterstützte mit seinem gewohnt unaufgeregt konsequenten Dirigat, mit feiner Phrasierung, barocker Dynamik und angenehm leichten Tempi die Musiker hervorragend.
So entwickelte bereits in der einleitenden Sinfonie die geschmeidig und klar aufspielende Hannoversche Hofkapelle um Konzertmeisterin Anne Röhrig sowohl einen runden, transparenten Klang als auch eine emotionale Dichte.
Herausragend präsentierte sich bei den Gesangssolisten die Sopranistin Magdalene Harer: Strahlend in der Höhe, leicht, weich und dennoch mit klarer Dynamik - insbesondere begeisterte die Konzertbesucher Harers Part im Alt/Sopran-Duett am Schluss des ersten Teils.
Sowohl Andreas Weller (Tenor) als auch der Markus Flaig (Bassbariton) überzeugten mit ihrer stimmlichen Präsenz und geschmeidiger, ausdrucksstarker Artikulation. Insbesondere brillierte Flaig bereits mit der Bravourarie „Ev’ry valley/Alle Tale“ sowie der Trompeten-Arie im dritten Teil.
Countertenor Christian Rohrbach überzeugte im Verlauf des Abends mehr und mehr - lediglich zu Beginn des Konzerts störte eine leichte Intonationstrübung. Zudem wäre hier eine stärkere stimmliche Präsenz wünschenswert gewesen.
Einmal mehr präsent und präzise zeigte sich dagegen die Kantorei St. Nicolai während des in englischer Sprache erklingenden Oratoriums. Hervorzuheben seien hier das grandiose „Halleluja“ am Ende des zweiten Teils sowie die triumphale Chor-Fuge am Schluss des knapp zweistündigen Konzerts. Die Besucher dankten stehend den Akteuren mit anhaltend begeistertem Applaus.
