„Bei uns ist von Lex Asse nichts zu spüren“

Remlingen  Vertreter der Region machen Druck in Berlin. Die Erkundungsbohrung für den neuen Asse-Schacht ist derweil gestartet.

Ein Arbeiter kniete am Mittwoch auf der Asse-Anhöhe in Remlingen vor einem Bohrloch.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Ein Arbeiter kniete am Mittwoch auf der Asse-Anhöhe in Remlingen vor einem Bohrloch. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Sechs Wochen nach dem Inkrafttreten des Asse-Beschleunigungsgesetzes haben Vertreter der Region vor Bundestagsabgeordneten eine ernüchternde Zwischenbilanz gezogen: „Vor Ort ist von der Lex Asse nichts zu spüren. Das Gesetz muss dringend mit Leben erfüllt werden“, sagte die Bürgermeisterin der Samtgemeinde Asse, Regina Bollmeier, bei einer Anhörung im Bundestags-Umweltausschuss.

„Bisher ist nicht so viel passiert“

Die trotz Beschleunigung langen Planungszeiten stießen bei den Bürgern auf Unverständnis. Auch Udo Dettmann, Mitglied im Asse-II-Koordinierungskreis, sagte: „Bisher ist nicht so viel passiert. Wir sind vom Zwischensprint in Dauerlauf zurückgefallen.“ Dass das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in einem neuen Zeitplan durch die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren den Start der Rückholung von 2036 auf 2033 verkürzt habe, reiche bei weitem nicht aus.

Kritikpunkt ist unter anderem die lange Dauer von 15 Jahren, die für den Bau des zusätzlichen Schachtes veranschlagt werden. Dies sei „nicht nachvollziehbar“, meinte Bollmeier. Und: Für den Bau eines Zwischenlagers und einer Konditionierungsanlage dürfe nicht nur ein Standort in unmittelbarer Nähe geprüft werden, es müssten parallel auch Optionen deutschlandweit untersucht werden.

Die Vizepräsidentin des BfS, Stefanie Nöthel, verteidigte dagegen die Konzentration auf einen Standort in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Bergwerk, weil damit große Vorteile verbunden seien. Nöthel mahnte, dass neben dem BfS auch alle anderen Beteiligten ihren Handlungsrahmen ausschöpfen müssten. Zudem müsse die Kommunikation auch mit den Bürgerinitiativen beschleunigt werden.

Bundesamt sucht Fachpersonal

Ein Problem sieht das BfS beim Personal. 50 Stellen sind ihm zusätzlich für die Asse zugewiesen worden, 18 Stellen sind jetzt besetzt, teilweise behördenintern. Es sei sehr schwierig, Fachpersonal zu gewinnen, sagte Nöthel. Der Behörden-Standort sei ein Nachteil gegenüber anderen, attraktiveren Regionen. Zudem gibt es gegen zusätzliches Personal offenbar Widerstand im Bundesfinanzministerium.

Das Umweltministerium bat die Abgeordneten in dieser internen Auseinandersetzung um Unterstützung. Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser (CDU) warb zugleich um „Verständnis auch in der Region.“ Es könnten immer wieder Probleme auftreten, das Rückholungsprojekt sei eine große Herausforderung. Ungewiss bleibt, ob es einen Asse-Fonds mit Finanzhilfen geben wird, das Umweltministerium prüft dem Vernehmen nach weiter.

Während die Politiker in Berlin diskutierten, begann fast zeitgleich in Remlingen die Erkundungsbohrung für den neuen Schacht 5, über den der Atommüll aus dem maroden Salzbergwerk an die Oberfläche transportiert werden soll. Ziel sei es, die Eignung des Standortes für einen weiteren Schacht festzustellen sowie zusätzliche Daten über die Struktur der Asse zu gewinnen, erklärte Bergbauingenieur Michael Sniehotta, der auch auf das größte mögliche Problem hinwies. Das befindet sich in etwa 450 Meter Tiefe und besteht aus einem besonderen und nur schwer löslichen Salzspiegel.

Die Bohrung geht bis 790 Meter Tiefe. Gebohrt wird Tag und Nacht, berichtete Bohrmeister Jeton Maxhuni. Sie kostet etwa zwei Millionen Euro und soll im November beendet sein. Wann die beiden unterirdischen horizontalen Bohrungen auf der 595- und der 700-Meter-Sohle vom Bergwerk zu der jetzt gestarteten Erkundungsbohrung erfolgen wird, steht derzeit noch nicht fest.

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